Vorsicht bei Hochwasser & Strom - Was ist zu beachten?

Mann grübelt über Hochwasser auf dem Globus

Dauerregen und Hochwasser prägen den deutschen Sommer 2021. Zum Teil wurden Häuser komplett zerstört, Autos sind davon getrieben und Keller vollgelaufen. Spenden- und Hilfsbereitschaft ist groß, um den Gemeinden bei der dramatischen Hochwasser-Katastrophe zu helfen, hierzu beteiligen sich auch Energieversorger. Wenn das Hochwasser die elektrische Anlage beschädigt, kann das schnell gefährliche Folgen haben. Lernen Sie, was zu beachten ist und welche weiteren Probleme Hochwasser mit sich bringt.


Wissenswerte Fakten & Energietipps

Hochwasser & Elektrischer Strom - Was muss beachtet werden?

Nach langen Stromausfällen können technische Defekte vorkommen. Diese sollten im Normalfall zwar nicht passieren, trotzdem ist Vorsicht geboten - Beispielsweise sollten vorsorglich alle Elektrogeräte ausgeschaltet werden. Besonders der Herd kann gefährlich werden. Wird der Strom wieder zugeschaltet und das Gerät wurde während des Ausfalls benutzt, können Brände entstehen. Auch Besitzer von Elektrofahrrädern sollten den Akku nur unter Aufsicht aufladen. Ist eine Batterie oder Akku nämlich mit Wasser vollgelaufen, besteht Explosionsgefahr.

Wissenswertes zu Stromausfällen

Hochwasser Gefahr bei überfluteten Elektroinstallationen

Rotes Dreieck mit Ausrufezeichen

Ist ein Wohngebäude von Hochwasser betroffen, wird nicht nur die Bausubstanz beschädigt, sondern auch die elektrische Anlage. Schaden in der elektrischen Anlage kann schnell gefährliche Folgen haben. Diese 5 wichtigen Tipps sollten Sie berücksichtigen zum Thema Hochwasser und elektrischer Strom.

Mit elektrischer Anlage, ist sowohl der Stromzähler an sich wie auch Kühlschrank oder Waschmaschine gemeint.

Tipp 1 zu Hochwasser & elektrischer Strom: Anlage von außen abschalten lassen

Beim überschwemmten Haus beziehungsweise Keller ist höchste Vorsicht geraten. Denn normalerweise sind sowohl Zähler als auch elektrische Anlagen überflutet und in diesem Fall besteht sogar Lebensgefahr. In einem solchen Fall können Sicherungen und Schutzschalter, die eigentlich gegen elektrischen Schlag schützen, nicht richtig funktionieren.

Außerdem kann das Wasser durch den Kontakt mit der elektrischen Anlage als Stromleiter agieren und bei Berührung einen Stromschlag verursachen. Deshalb ist es wichtig, dass die überflutete Anlage von außen abgeschaltet wird, bevor der Raum betreten wird. Um die elektrische Anlage von außen abzuschalten, müssen Sie sich an Ihren örtlichen Energieversorger wenden.

Tipp 2 zu Hochwasser und elektrischer Strom: Anlage wieder in Betrieb nehmen

Bevor die elektrische Anlage wieder in Betrieb genommen wird, muss diese durch einen Fachmann geprüft werden. Wird diese Prüfung durch einen Amateur durchgeführt, könnte es diesem entgehen, welche Installationen durch das Hochwasser beschädigt wurden. Ein solcher Fehler kann zu einem lebensgefährlichen Stromschlag führen oder die angeschlossenen Elektrogeräte können zerstört werden. Selbst überflutete Elektrogeräte wie Waschmaschinen, Pumpen, elektrische Werkzeuge oder sogar Lampen müssen vor Anschluss von einem Fachmann überprüft werden.

Tipp 3 zu Wer übernimmt die Prüfung nach dem Hochwasser?

Die Prüfung des Stromzählers und elektrischer Anlage ist Aufgabe des Energieversorgers. Elektrogeräte, elektrische Installation und Sicherungen müssen von einem Fachbetrieb kontrolliert werden. Bei diesen Prüfungen nach dem Hochwasser werden alle elektrischen Komponente trocken gelegt, von Schlamm und Schmutz befreit und auf ordnungsgemäßen Zustand kontrolliert.

Tipp 4 zu Hochwasser & elektrischer Strom - Präventive Schutzmaßnahmen

Laut der VDE-Vorschrift müssen in hochwassergefährdeten Gebieten bei Neubau und Sanierung Hausanschluss sowie Zähler und Stromkreisverteiler oberhalb der zu erwartenden hundertjährigen Überschwemmungshöhe positioniert werden. Generell müssen alle neuen Stromkreise durch Fehlerstrom-Schutzschalter gesichert werden. Bei Altbauten mit Stromkreisen unterhalb der Überschwemmungshöhe sollten Fehlerstrom-Schutzschalter aufgrund des besonderen Risikos nachgerüstet werden.

Tipp 5 zu Hochwasser & Photovoltaikanlage

Solarpanel

Ist die Installation der Photovoltaikanlage zum Beispiel im Keller, dürfen überschwemmte Räume unter keine Umstände betreten werden - selbst bei ausgeschaltetem Stromnetz nicht. Auch bei abgeschaltetem Stromnetz herrscht Stromschlag- oder sogar Knallgasexplosionsgefahr.

Bei beginnenden Aufräumarbeiten nach dem Hochwasser muss zudem offenes Feuer vermieden werden und die Räume sofort gut gelüftet werden. Nach dem Hochwasser müssen die Anlagen vorerst von ausgebildeten Installateuren geprüft werden.

Hochwasser: Energieversorger übernehmen die Stromkosten

In zahlreichen Regionen deutschlands hat das Hochwasser zu katastrophalen Schäden geführt. Infolge der Unwetter und der aktuellen Lage müssen viele Menschen noch immer ohne Strom und Gas auskommen. Besonders betroffen ist der Westen deutschlands, wo zeitweise circa 165.000 Menschen aufgrund des Hochwassers keinen Stromzugang hatten - Einige noch immer nicht.

Im Versorgungsgebiet der E.ON-Tochter Westnetz wurden aus Sicherheitsgründen die Anlagen abgeschaltet, teils aber auch stark beschädigt oder sogar von den Fluten mitgerissen. Das Hochwasser hat zu Überflutungen in Ortsnetzstationen und Umspannungsanlagen geführt. Darum setzt sich der Energiekonzern E.ON auch besonders ein und bietet seinen Kunden finanzielle Unterstützung. Auch der Ökostromanbieter Lichtblick unterstützt aktiv Kunden und Betroffene.

Hochwasser-Betroffene erhalten von E.ON 200 € Stromkostenzuschuss

Teile des E.ON-Netzgebietes in Deutschland wurden vom Hochwasser beschädigt, besonders betroffen waren die Tochtergesellschaften MITNETZ STROM und Westenergie. Aufgrund der schweren Schäden, die mit strombetriebenen Trockengeräten und Wasserpumpen beseitigt werden müssen, hat der Energiekonzern in Zusammenarbeit mit Westenergie als Zeichen der Solidarität kurzfristige Soforthilfen aktiviert.

Sowohl Trockengeräte als auch Wasserpumpen können sich als Stromfresser enttarnen und können teuer ausfallen. Für die Betroffenen, die auf den Einsatz solcher Geräte angewiesen sind, erstattet E.ON pauschal in Höhe von 200 € die Kosten pro Wohnung. E.ON Kunden die Hochwasser Schäden erlitten haben, können sich mit einer Hochwasser-Bescheinigung der zuständigen Kommune an den Energieanbieter wenden. Die Hilfe wird den Kunden im Rahmen der nächsten Jahresabrechnung erstattet.

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Zum kompletten E.ON Kontakt

Mitarbeiterinitiative “Westenergie vor Ort”Nicht nur Kunden des Anbieters erhalten direkte Hilfe von E.ON. Der Anbieter Westenergie ruft seine Mitarbeiter dazu auf, bei den Aufräumarbeiten mitzuhelfen und unterstützt diese mit einem Beitrag von bis zu 3.000 € pro Mitarbeiter.

Hochwasser: LichtBlick übernimmt bis zu drei Monate Stromrechnung

Der Ökostromanbieter LichtBlick hat sich vorgenommen, seinen Kunden mit schneller und unbürokratischer Hilfe beiseite zu stehen. Der Anbieter aus Hamburg übernimmt für drei Monate die Stromrechnung der Flutopfer. Vom Hochwasser betroffene LichtBlick Kunden in NRW, Rheinland-Pfalz, Bayern und Sachsen können den Anbieter in den nächsten Tagen und Wochen kontaktieren, um die Hilfe zu beantragen. Als Nachweis reicht ein Foto vom beschädigten Gebäude.

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Ausführliche Information über LichtBlick erhalten Sie hier

Des Weiteren spendete der Energieversorger aus Hamburg 50.000 € und ruft aktiv über Homepage und sozialen Medien bei seinen Kunden und Mitarbeitern für Geldspenden auf. Alle Spenden gehen direkt an die Hochwasserhilfe des Deutschen Rotes Kreuzes.

Zur Hochwasserhilfe des Deutschen Rotes Kreuzes

Unterbrechung der Stromversorgung: Müssen Energieksoten gezahlt werden?

Ja. Für alle Strom- und Gaskunden gilt: Bei einer Strom oder Gas Unterbrechung kann es zu keinem Energieverbrauch kommen. Die Auszahlung sollte aber nicht einbehalten werden, spätestens nach einem Jahr mit der Jahresabrechnung wird der konkrete Verbrauch berechnet. Die meisten Tarife haben neben dem Verbrauchspreis (Cent pro Kilowattstunde) auch einen monatlichen Grundpreis, dieser ist verbrauchsunabhängig.

Auch dieser Betrag wird in der Jahresabrechnung abgerechnet und sollte taggenau um die Zeit der Unterbrechung reduziert sein. Wird dies nicht berücksichtigt, sollten Sie Ihren Anbieter darauf aufmerksam machen. Zu viel gezahlte Abschläge muss der Versorger erstatten.

Probleme durch Hochwasser: Keine Stromversorgung, Gas und Trinkwasser

Durch das Hochwasser und verheerende Unwetter sind Verkehrswege und Infrastruktur umfassend zerstört worden. Dies betrifft wie bereits beschrieben die Stromversorgung, aber auch Gasleitungen, Trinkwasser und Internet sind davon betroffen. So sind viele Stadtgemeinden aktuell im Trinkwasser-Engpass. Durch das Hochwasser sind Hauptwasserleitungen gebrochen, was die Wasserleitungen zusammenfallen ließ. Mehrere Ortschaften werden vom Gesundheitsamt beraten, das zum Kochen und Trinken verwendete Trinkwasser vorbeugend abzukochen.

Hochwasser beschädigt Gasversorgung langfristig

Bei Hochwasser wurde nicht nur die Stromversorgung stark beeinträchtigt, auch das Gasnetz leidet stark unter den Überflutungen. In Rheinland-Pfalz wurden über mehrere Kilometer komplett zerstört. Viele Haushalte werden darum wohl mehrere Monate ohne Gas auskommen müssen. Kein Gas zu Hause bedeutet schlimmstenfalls weder Heizung, warmes Wasser und sogar das Kochen kann betroffen sein.

Bei einem Naturereignis wie starkem Unwetter und Hochwasser springt normalerweise die Stadtgemeinde ein, um den Betroffenen eine alternative Gaszufuhr anbieten zu können beispielsweise durch Gas-Notaggregate. Gasgeneratoren sind heutzutage in der Regel gut isoliert. Trotzdem ist es wichtig zu wissen, wie bei Gasgeruch zu handeln ist, mehr dazu hier:

Wie riecht Gas?

Flüssiggas ist eine sichere Alternative bei Hochwasser, denn es besteht keine Gefahr für das Grundwasser noch für die Umwelt. Flüssiggastanks werden generell im Garten unter der Erde vergraben und der Behälter wird mit einer speziellen Auftriebssicherung versehen. Gut zu wissen: Auch oberirdische Flüssiggastanks sind hochwasserfest. Sollten Sie eine Gasunterbrechung haben, kann eine Flüssiggasflasche eine Option für Sie sein. Flaschen können zum Beispiel in Baumärkten gekauft werden.

Umweltfolgen des Hochwassers

Hochwasser bringt neben Wasser auch Schlamm und Schmutz mit sich. So ist es nicht unüblich, dass nach einer Überflutung Öl, Diesel und andere Schadstoffe in die Gewässer eintreten. Viele Haushalte heizen noch immer mit Heizöl. Dabei werden Heizölkessel normalerweise im Keller aufbewahrt, was bei Hochwasser fatale Konsequenzen haben kann. Tritt Heizöl großflächig aus, ist nur noch der Abriss des ganzen Hauses eine Lösung.

Auch für die Umwelt ist es verhängnisvoll, da Heizöl leichter ist als Wasser, breitet es sich nach Austritt schnell auf der Wasseroberfläche aus. Bereits ein Tropfen Öl verunreinigt etwa 1.000 Liter Wasser. Ein durchschnittlicher Heizöltank für ein Einfamilienhaus mit etwa 150 m³ beträgt 3.000 Liter Fassungsvermögen.

Im Klimapaket 2030 wurde von der Bundesregierung beschlossen, Ölheizungen ab 2026 zu verbieten. Es gilt zudem eine Austauschpflicht für Ölheizungen, die über 30 Jahre alt sind. Der Austausch und Modernisierung zu einer umweltschonenderen Heizung wird vom Staat gefördert. Außerdem kann mit einer modernen Brennwerttechnik bis zu 30 Prozent Energie gespart werden. Welche Heizungstypen es gibt, erfahren Sie hier:

Welche Heizung ist die richtige?

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