Bei dem Seekabel NordLink, das durch die Nordsee von Norwegen nach Deutschland führt, handelt es sich um ein zukunftsweisendes internationales Projekt, das einen erheblichen Beitrag zur Energiewende leisten und zum Klimaschutz beitragen soll.

NordLink ist der Interkonnektor, der die Energiemärkte von Norwegen und Deutschland auf direkte Weise miteinander verbindet und den gegenseitigen Austausch von elektrischer Energie ermöglicht, die in Norwegen durch Wasserkraft und in Deutschland durch Windkraft erzeugt wird.

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Bei der Verbindung NordLink handelt es sich um ein ca. 11 bis 13 cm dickes Seekabel, das eine Hochspannungs-Gleichstromübertragung (HGÜ) zwischen Deutschland und Norwegen ermöglicht. Die gesamte Trassenlänge beträgt 623 km, wovon 516 km als Seekabel verlaufen.

Das NordLink-Kabel verläuft von Tonstad in Norwegen nach Wilster in Schleswig-Holstein und stellt auf diese Weise die weltweit längste Seekabel-Stromverbindung dar.

Verlustarme Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung Gleichstrom bietet sich insbesondere bei langen Entfernungen und großen Übertragungsleistungen an, da die Übertragungsverluste hier viel geringer sind als bei Wechselstrom.

NordLink befindet sich seit April 2021 im Betrieb. Im September 2016 begannen die Bauarbeiten der Leitung.

Betrieben wird das Großprojekt NordLink von zwei Parteien. Die Betreiber sind:

  • Der norwegische Übertragungsnetzbetreiber Statnett ;
  • Die deutsche Firma DC Nordseekabel GmbH und Co.KG, an welcher der deutsche Netzbetreiber Tennet und die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) jeweils 50 % der Geschäftsanteile halten.

Die Kosten von rund 2 Milliarden Euro, die für die Umsetzung anfielen, wurden zu gleichen Teilen zwischen den deutschen und den norwegischen Partnern aufgeteilt.

Die Verbindung NordLink hat eine Kapazität von 1.400 Megawatt (MW), womit mehr als 3,6 Millionen deutsche Haushalte mit erneuerbarer Energie versorgt werden können.

Die Energiewende stellt für den gesamten Energiemarkt und die Netzbetreiber in Europa eine große Herausforderung dar, denn insbesondere die Verhältnisse von Wind und Sonne zur Gewinnung von Energie variieren je nach Wetterlage stark.

Augeschöpfte Kapazitäten der Übertragungsnetze

Mitunter stehen Windkraftanlagen in Norddeutschland still, obwohl ausreichend viel Wind weht, um Windenergie zu generieren. Das Problem: Die Kapazitäten der Übertragungsnetze reichen nicht aus um den Strom, der in Norddeutschland generiert werden könnte, nach Süddeutschland zu transportieren.

Das Projekt NordLink trägt zur Lösung dieses Problems bei, indem Norwegen den überschüssigen Windstrom aus Deutschland speichert.

Konstante Frequenz von 50 Hertz im Stromnetz

Im Stromnetz muss stets eine Frequenz von 50 Hertz vorherrschen, da sonst Stromausfälle drohen, die im Ernstfall große Gebiete in Europa betreffen können.

Aus diesem Grund ist es wichtig, die europäischen Stromnetze eng miteinander zu verbinden: Je mehr europäische Grenzkuppelstellen zur Verfügung stehen, desto besser kann ein reibungsloser Stromfluss – basierend auf nachhaltigen Energien – in ganz Europa ermöglicht werden.

Versorgungssicherheit in Europa

Der Energieaustausch, der durch NordLink ermöglicht wird, erhöht die Sicherheit der Stromversorgung – sowohl für das deutsche und für das norwegische Netz.

NordLink steigert nämlich die Markteffizienz und unterstützt auf diese Weise die Stabilisierung der Energiepreise.

Die Verbindung der Energiemärkte Norwegens und Deutschlands trägt ferner zur Integration des nordwesteuropäischen Energiemarktes bei. NordLink stellt in diesem Zusammenhang einen sehr wichtigen Baustein in der europäischen Energiewende dar.

Stromversorgung aus erneuerbaren Energien

Deutschland strebt langfristig die Stromversorgung aus erneuerbaren Energien an. Die CO2-Emissionen sollen auf diese Weise gesenkt und das Erreichen europäischer Klimaschutzziele unterstützt werden.

Um diesen Effekt ausgleichen zu können, braucht man Energiespeicher in Form von Pumpspeicherkraftwerken, Batterien oder Wasserstoff. NordLink stellt eine solche Lösung für die Speicherung norddeutscher Windenergie dar.

„NordLink ist ein deutsch-norwegisches Gemeinschaftsprojekt und Musterbeispiel für gelungenen Netzausbau."
— Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, 2022

Die Verbindung der norwegischen Wasserkraft mit der deutschen Windenergie bietet entscheidende Vorteile für beide Länder, aber auch Herausforderungen, die im Rahmen der Energiewende gelöst werden müssen.

Im Rahmen der Energiewende stellt NordLink einen wichtigen Baustein dar. Durch das Projekt NordLink werden nun erstmals der norwegische und der deutsche Strommarkt miteinander verbunden, wodurch unter anderem folgende Synergien entstehen:

  • Deutschland erhält Zugang zu den Pumpspeicherkraftwerken Norwegens. Die riesigen Wasserspeicher Norwegens dienen als indirekter Speicher für überschüssige deutsche Windenergie ;
  • Der Handel mit Übertragungskapazitäten von Strom verspricht Vorteile für Wirtschaft und Verbraucher ;
  • Wenn Norwegen überschüssigen Strom aus grüner Wasserkraft zur Verfügung hat (etwa während der Schneeschmelze), wird dieser nach Deutschland geleitet.

Neben den Vorteilen von NordLink, müssen auch Nachteile des Projektes betrachtet werden:

  • Eingriffe in die Natur und Landschaft durch Baumaßnahmen, die für die Gewinnung von Energie aus Wasserkraft nötig waren ;
  • Umsiedlung von Menschen, die in Baugebieten wohnten ;
  • Norwegen hat selbst einen hohen Stromverbrauch, aufgrund der hohen Anzahl an E-Autos. Daher ist fraglich, wie viel Strom im Falle einer Flaute nach Deutschland geschickt werden kann ;
  • NordLink kann die Energieprobleme Deutschlands nicht alleine lösen, da Norddeutschland zunächst besser mit Süddeutschland verbunden werden muss.

Ein Blick in die Zukunft: Die Planung weiterer Seekabel und Stromtrassen

NordLink stellt ein vielversprechendes Projekt im Sinne der Energiewende dar. Aus diesem Grund ist für den Netzbetreiber Tennet NordLink auch erst der Anfang.

Das Unternehmen will auch mit anderen Netzbetreibern bis zum Jahr 2035 die Nordsee-Anrainer Deutschland, Dänemark, Norwegen, Großbritannien sowie die Niederlande über leistungsstarke Seekabel miteinander verbinden.

Außerdem sind Stand 2022 noch vier weitere Projekte in Planung, die für die Energiewende benötigt werden:

  • Geplanter Trassenausbau aus Deutschland ;
  • Suedlink zwischen Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg ;
  • Suedostlink zwischen Sachsen-Anhalt und Bayern ;
  • Ultranet zwischen Emden und Baden-Württemberg ;
  • B-Korridor zwischen Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen.