Was ist die Energiewende?

Die Energiewende ist die Umstellung Deutschlands auf ein von erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und nachhaltiger Entwicklung geprägtes Energieportfolio. Bislang basierte die Energieversorgung in Deutschland hauptsächlich auf fossilen Brennstoffen.

Im Jahr 2025 deckten erneuerbare Energien laut BDEW und ZSW bereits rund 56 Prozent des Bruttostromverbrauchs – gegenüber rund 55 Prozent im Jahr 2024. Bis 2030 soll der Anteil im Strom-Mix auf 80 Prozent steigen, und bis 2045 soll Deutschland klimaneutral werden. Auch global hat die Stromwende einen messbaren Wendepunkt erreicht: Wind und Solar haben im April 2026 weltweit erstmals mehr Strom erzeugt als Gas.

Welche erneuerbaren Energien gibt es?

Zu den erneuerbaren Energien zählen Windkraft, Biomasse (z.B. Klär- und Klärgas), Wasserkraft, Solarenergie (Photovoltaik und Thermik), Geothermie und die Nutzung von Gezeitenenergie.

Innerhalb der erneuerbaren Stromerzeugung sind Wind und Photovoltaik zusammen mit Abstand die wichtigsten Quellen. Im Jahr 2025 lag die Photovoltaik dank rekordverdächtigen Zubaus erstmals fast gleichauf mit der Windenergie, nachdem das erste Quartal 2025 zum windschwächsten Quartal seit Beginn der Aufzeichnungen wurde. Die folgende Grafik zeigt, wie sich der Anteil der einzelnen Erneuerbaren am deutschen Ökostrom-Mix verteilt.

Mix der Erneuerbaren Energien in Deutschland – Gesamtjahr 2025

Quelle: BDEW/ZSW, eigene Berechnung – Anteile innerhalb der rund 56 Prozent erneuerbarer Bruttostromerzeugung im Gesamtjahr 2025.

Welche Ziele verfolgt die Energiewende?

Um den Übergang zu einer nachhaltigen Energieversorgung schrittweise und planvoll zu gestalten, gibt es Etappenziele bei der Energiewende. Diese Zwischenziele bieten Planungssicherheit und ermöglichen eine regelmäßige Fortschrittskontrolle. Zudem tragen sie dazu bei, dass der gesamte Prozess transparenter und nachvollziehbarer wird und somit auch gesellschaftliche Akzeptanz findet.

Ziele der Energiewende (Stand 2026):

  • Ausstieg aus der Kernenergie: bereits abgeschlossen – die letzten drei Kernkraftwerke Isar 2, Neckarwestheim 2 und Emsland wurden am 15. April 2023 vom Netz genommen;
  • Bis 2030 soll der Anteil erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch auf 30 % und bis 2040 auf 45 % steigen;
  • Beim Stromverbrauch soll der Anteil der erneuerbaren Energien bis 2030 auf 80 % steigen (Ende 2025 lag er bei rund 56 %);
  • Bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen um 65 % und bis 2040 um 88 % (gegenüber dem Basisjahr 1990) gesenkt werden – die 2040-Marke wurde mit der Novelle des Bundes-Klimaschutzgesetzes vom Juli 2024 verbindlich verankert;
  • Klimaneutralität bis 2045 – als sektorübergreifendes Gesamtziel statt einzelner Sektorziele;
  • Reduzierung des Primärenergieverbrauchs um 50 % bis 2050;
  • Im Verhältnis zum Endenergieverbrauch soll die Energieproduktivität um 2,1 % pro Jahr steigen;
  • Reduzierung des Stromverbrauchs um 25 % bis 2050 (gegenüber 2008).

Mit der Reform des Bundes-Klimaschutzgesetzes 2024 hat der Gesetzgeber das System der starren Sektorziele (Verkehr, Gebäude, Energiewirtschaft …) zugunsten einer sektorübergreifenden Gesamtbilanz umgebaut. Maßgeblich ist seitdem die Erreichung der Gesamtminderung über alle Sektoren – einzelne Sektoren müssen ihre Ziele nicht mehr zwingend allein erreichen.

Wie soll die Energiewende umgesetzt werden?

Um die Etappenziele zu erreichen und die Energiewende in den kommenden Jahren erfolgreich umzusetzen, bedarf es verschiedene Maßnahmen. Eine entscheidende Herausforderung ist dabei der gleichzeitige Ausstieg aus Kohle und Atomkraft, der die Versorgungssicherheit nicht gefährden darf.

Darüber hinaus muss auch die Akzeptanz in der Bevölkerung gestärkt werden, um Widerstände zu minimieren. Außerdem braucht es Innovationen, um neue Technologien zu entwickeln, die den Übergang zu einer nachhaltigen Energieversorgung unterstützen.

Kohleausstieg

Der Kohleausstieg in Deutschland wurde 2020 beschlossen und soll bis spätestens 2038 abgeschlossen sein. Das Kohleausstiegsgesetz sieht regelmäßige Überprüfungen in den Jahren 2026, 2029 und 2032 vor, bei denen geprüft wird, ob die ab 2030 vorgesehenen Kraftwerks-Stilllegungen jeweils um drei Jahre vorgezogen werden können. Der politische Vorstoß für einen vorgezogenen Kohleausstieg bis 2030 wurde von der aktuellen Bundesregierung nicht weiterverfolgt – Stand 2026 bleibt 2038 das gesetzlich verankerte Enddatum. Bis dahin investiert der Bund bis zu 40 Milliarden Euro in den Strukturwandel der Kohleregionen. Der Ausstieg erfolgt schrittweise, wobei ältere und ineffiziente Kraftwerke zuerst abgeschaltet werden.

Atomausstieg

Der Atomausstieg in Deutschland wurde erstmals 2002 beschlossen und nach der Fukushima-Katastrophe 2011 beschleunigt. Die letzten drei Kernkraftwerke Isar 2, Neckarwestheim 2 und Emsland wurden am 15. April 2023 endgültig vom Netz genommen – damit erzeugt Deutschland seit über drei Jahren keinen Atomstrom mehr. Der Ausstieg zielt darauf ab, das Risiko schwerer Unfälle zu vermeiden und die Menge an gefährlichem Atommüll zu reduzieren. Herausforderungen bestehen in der sicheren Entsorgung des radioaktiven Abfalls und dem laufenden Rückbau der stillgelegten Kraftwerke.

Ausbau von Photovoltaik und Windkraft

Das EEG 2023 schreibt für 2030 verbindliche Ausbauziele fest: 215 GW Photovoltaik, 115 GW Wind onshore und 30 GW Wind offshore. Laut Bundesnetzagentur waren Ende 2025 rund 117 GW Photovoltaik und 68,1 GW Wind onshore installiert – beim Solarausbau ist damit knapp die Hälfte des 2030-Ziels erreicht. Allein 2025 kamen 16,4 GW Photovoltaik und 4,6 GW Wind onshore hinzu. Um die Zielmarken pünktlich zu erreichen, müssten pro Jahr im Schnitt rund 19,6 GW Solar und 9,4 GW Wind onshore neu ans Netz gehen.

Mit dem Solarspitzen-Gesetz, das am 25. Februar 2025 in Kraft trat, wurden zudem die Regeln für neue PV-Anlagen angepasst: Anlagen ab 7 kWp brauchen ein intelligentes Messsystem mit Steuereinrichtung, und für Strom, der bei negativen Börsenpreisen ins Netz fließt, gibt es keine Einspeisevergütung mehr.

Prosumer

Prosumer sind Verbraucher, die gleichzeitig auch Energieproduzenten sind, meist durch private Photovoltaikanlagen oder Blockheizkraftwerke. Sie sollen eine wichtige Rolle in der Energiewende spielen, indem sie erneuerbare Energien nutzen und überschüssige Energie ins Netz einspeisen. Somit tragen sie zur dezentralen Energieversorgung bei und reduzieren die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern.

Stromnetzausbau

Der Ausbau erneuerbarer Energien ist untrennbar mit dem Stromnetz verbunden. Strom in Deutschland muss künftig mit geringem Verlust über weite Strecken transportiert werden, beispielsweise vom Windpark im Norden zu den Verbrauchszentren im Süden und Westen. Zu diesem Zweck werden in ganz Deutschland sogenannte Overlay-Netze eingerichtet, bei denen es sich um elektrische Autobahnen handelt, die letzten Endes sogar ganz Europa vernetzen sollen.

Energiespeicher

Um Wind- und Sonnenschwankungen ausgleichen zu können, muss das Stromnetz auch flexibel reagieren können: Wird zu einem bestimmten Zeitpunkt mehr Energie erzeugt als verbraucht, muss diese für Zeiten ohne Wind und Sonnenlicht gespeichert werden.

Intelligente Netze

Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien werden zentralisierte Stromerzeugungsnetze, die größere Kraftwerke nutzen, zunehmend durch dezentrale Netze ersetzt, die kleinere Photovoltaik- oder Biogasanlagen integrieren. Das Ergebnis ist eine komplexere Versorgungsstruktur. Ziel ist es, immer mehr intelligente Netzwerke, die sogenannten Smart Grids, zu etablieren, die Generatoren, Speichersysteme, Benutzer und das Netz mit der neuesten Technologie steuern und verbinden.

Wie viel kostet die Energiewende?

Die Energiewende in Deutschland ist mit erheblichen Kosten verbunden. Eine im Frühjahr 2025 veröffentlichte Studie von BDI und BCG beziffert die reinen Investitionskosten für die kommenden zehn Jahre auf mehr als 1 Billion Euro. Andere Analysen gehen von jährlichen Investitionsvolumina von 113 bis 316 Milliarden Euro pro Jahr bis 2035 aus.

Die Studie betont gleichzeitig, dass eine besser am tatsächlichen Bedarf ausgerichtete Umsetzung der Energiewende bis 2035 mehr als 300 Milliarden Euro einsparen könnte – etwa indem der Stromausbau für 2030 um rund 100 Terawattstunden gegenüber der bisherigen Planung reduziert wird.

Diese Ausgaben umfassen Investitionen in grüne Kraftwerke, Netzausbau, Erzeugungskapazitäten für grüne Gase und Wasserstoff, Speichersysteme und die Digitalisierung der Netzinfrastruktur.

Bei den enormen Kosten, die durch die Energiewende entstehen, darf nicht vergessen werden, dass die Ausgaben als langfristige Investitionen in die Zukunft dienen. Sie sollen den Klimaschutz fördern, neue Arbeitsplätze schaffen und die Innovationskraft der deutschen Wirtschaft stärken.

Langfristig können die Investitionen zu einer Verringerung der Energiekosten beitragen, indem sie die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduzieren und die Energieversorgung diversifiziert wird. Zudem tragen sie zur Erreichung der Klimaziele bei und fördern die technologische Entwicklung, was Deutschland zu einem Vorreiter in der globalen Energiewende positionieren soll.

Welche Vorteile bringt die Energiewende?

Natürlich besteht das Hauptziel der Energiewende in erster Linie darin, die Umwelt bestmöglich vor den Folgen des Klimawandels zu bewahren. Doch es gibt noch einige weitere Vorteile, die die Umsetzung der Energiewende zur Folge hat.

Vorteile der Energiewende
Vorteil Beschreibung
Klimaschutz Reduktion von Treibhausgasemissionen und Beitrag zur Erreichung internationaler Klimaziele.
Energieunabhängigkeit Verringerung der Abhängigkeit von Energieimporten durch Nutzung heimischer erneuerbarer Energien.
Wirtschaftswachstum Schaffung neuer Arbeitsplätze und Förderung wirtschaftlicher Chancen im Bereich erneuerbarer Energien und grüner Technologien.
Innovationen Förderung von Forschung und Entwicklung neuer Technologien im Energiebereich.
Versorgungssicherheit Stabilisierung der Energieversorgung durch Diversifizierung und Dezentralisierung der Energiequellen.
Gesundheitsvorteile Verbesserung der Luftqualität und Reduktion gesundheitsgefährdender Schadstoffe, was zu geringeren Gesundheitskosten führt.
Kosteneinsparungen Langfristige Einsparungen durch geringere Betriebskosten erneuerbarer Energien im Vergleich zu fossilen Brennstoffen.
Umweltschutz Verringerung der Umweltverschmutzung und Schonung natürlicher Ressourcen.
Soziale Vorteile Erhöhung der Lebensqualität durch sauberere Umwelt und nachhaltige Entwicklung.

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