Wissenswertes zur Regelenergie: Arten, Preise & mehr

Blaues Haus mit Strommast, aus dem Regelenergie kommt

Die Regelenergie (auch: Regelleistung) bezeichnet Reserven im Stromnetz, die zum Ausgleich von Schwankungen eingesetzt werden. Zu solchen Schwankungen kommt es, da der Stromverbrauch ungleichmäßig ist. Warum der Ausgleich dieser Schwankungen wichtig ist und was es sonst in Bezug auf das Thema Regelenergie zu beachten gilt, erfahren Sie in diesem Artikel.


Definition und Bedeutung: Was ist Regelenergie?

Gelbe Glühbirne

Unter der Regelenergie werden Stromreserven verstanden, die Schwankungen im Netz ausgleichen, welche durch einen ungleichmäßigen Verbrauch verursacht werden. Dies ist notwendig, da das Stromnetz keine Energie speichern kann.

Beim Regelenergieeinsatz kann Strom in das Stromnetz eingespeist oder auch aus dem Netz entnommen werden. Dieser Vorgang ist wichtig, damit die genutzte Leistung inklusive der Netzverluste stets der eingespeisten Leistung im Stromnetz entspricht. Die gewünschte Frequenz des Stromnetzes in Höhe von 50 Hertz wäre sonst nicht stabil.

Regelzonen des deutschen Stromnetzes Das deutsche Stromnetz teilt sich in vier große Regelzonen auf, welche von den Übertragungsnetzbetreibern betrieben werden. Die vier Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland sind die TenneT TSO GmbH, die 50 Hertz GmbH, die Amprion GmbH und die TransnetBW GmbH. Alle vier Netzbetreiber sind für die Netzstabilität in ihren Regelzonen verantwortlich. Diese Verantwortung verpflichtet sie dazu, Schwankungen der Stromfrequenz zu verhindern und auszugleichen!

Unterschieden wird zwischen der positiven und der negativen Regelenergie, die im Folgenden etwas genauer betrachtet werden:

Was ist eine positive Regelenergie?

Bei der positiven Regelenergie wird zusätzlicher Strom in das Netz eingespeist, um einer zu geringen Leistung sowie einer sinkenden Netzfrequenz entgegenzuwirken.

Was ist eine negative Regelenergie?

Im Gegensatz zur positiven Regelenergie wird dem Netz bei der negativen Regelenergie Strom entnommen, um einer zu hohen Leistung sowie einer steigenden Netzfrequenz entgegenzuwirken.

Arten von Regelenergie

gelber Blitz

In Bezug auf die Arten von Regelenergie kann man zwischen drei verschiedenen Kategorien unterscheiden. Die jeweiligen Arten von Regelenergie sind unterschiedlich hinsichtlich ihrer Geschwindigkeit – also in Bezug darauf, wie schnell Kraftwerke für den Ausgleich einer Schwankung im Netz zur Verfügung stehen, denn: Aus technischen Gründen lassen sich nicht alle Kraftwerke im Regelenergiemarkt in der gleichen Geschwindigkeit aktivieren.

Im Folgenden gewinnen Sie einen Eindruck von den drei Kategorien der Regelenergie und den jeweiligen Unterschieden.

Die Primärreserve

Die Primärregelung gleicht Ungleichgewichte zwischen physikalischem Leistungsangebot und -nachfrage aus und verfolgt das Ziel, eine stabile Netzfrequenz wiederherzustellen. Die Primärreserve oder Primärregelleistung wird bei Bedarf von einem Anbieter in Abhängigkeit von der Netzfrequenz abgerufen.

Der Abruf der Primärreserve erfolgt ohne die Aufforderung des Übertragungsnetzbetreibers. Die Reserve muss innerhalb von nur 30 Sekunden bereit sein und für eine Dauer von mindestens 15 Minuten ohne Unterbrechung zur Verfügung stehen. Großkraftwerke stellen in den meisten Fällen die Primärreserve oder Primärregelleistung bereit.

Die Sekundärreserve

Auch die Sekundärreserve hat die Aufgabe, das Gleichgewicht zwischen dem physikalischen Stromangebot und der Stromnachfrage nach dem Auftreten einer Differenz wiederherzustellen. Die Sekundärreserve oder Sekundärregelleistung wird durch den jeweiligen Übertragungsnetzbetreiber aktiviert.

Diese Reserve muss innerhalb von fünf Minuten ihre Volllast erreichen und ebenfalls für einen Zeitraum von mindestens 15 Minuten durchgehend zur Verfügung stehen. Oft kommen für das Aufbringen der Sekundärregelleistung Wasser- oder Wärmekraftwerke zum Einsatz.

Die Minutenreserve

Die Minutenreserve, Minutenregelleistung oder Tertiärregelung wird ebenso wie die Sekundärregelleistung durch den jeweiligen Übertragungsnetzbetreiber aktiviert.

Die Reserve muss innerhalb von 15 Minuten ihre Volllast erreichen und für einen längeren Zeitraum – nämlich für mindestens eine Stunde – zur Verfügung stehen. Häufig werden die Sekundärreserve sowie Primärreserve von der Minutenreserve abgelöst.

Wie werden Schwankungen mit Regelenergie verhindert?

Person mit Waage

Aufgrund der Energiewende und des damit zusammenhängenden Ausbaus Erneuerbarer Energien kommt es zu höheren Schwankungen im Stromnetz. Das liegt an der ungleichmäßigen Stromgewinnung durch Windkraft und Photovoltaikanlagen.

Prognose in Bezug auf die Stromeinspeisung sowie -entnahme Um einem Ungleichgewicht der Frequenz im Stromnetz entgegenzuwirken, sind Stromproduzenten und Stromversorger verpflichtet, eine möglichst genaue Prognose in Bezug auf die Stromeinspeisung sowie -entnahme abzugeben. Dies soll die Lastflüsse im deutschen Stromnetz optimal planen und die Normalfrequenz im Stromnetz bei 50 Hertz halten.

Wenn eine solche Prognose durch einen höheren oder niedrigeren Stromverbrauch auf Seiten der Verbraucher sowie durch eine höhere oder geringere Stromproduktion hinfällig wird, wird die (positive oder negative) Regelenergie eingesetzt, um diese Unterschiede auszugleichen. Damit möglichst wenig Regelenergie eingesetzt werden muss, werden die Systembilanzen der vier deutschen Regelzonen ausgeglichen. Durch den Ausgleich können schwerwiegende Folgen wie Stromausfälle verhindert werden.

Wie hoch sind die Regelenergie Preise?

Geldhaufen mit Münzen

Regelenergie Preise unterscheiden sich von regulären Strompreisen (Haushaltsstrom oder Gewerbestrom), denn die Preise für Regelenergie werden über eine spezielle Plattform, über den Regelleistungsmarkt, gehandelt.

Auf dieser Plattform finden jeden Tag Ausschreibungen für Regelenergie – also für eine Primär-, Sekundär- und Minutenreserve – statt. Die Preise, die Übertragungsnetzbetreiber, die für den Kauf von Regelenergie verantwortlich sind, für Regelenergie zahlen müssen, schwanken daher täglich und sind meistens aber höher als für normalen Strom.

Mindestangebote für Regelenergie

In der Regel liegt das Mindestangebot für die Sekundär- und Minutenreserve bei 5 Megawatt. Dies gilt sowohl für eine positive als auch für eine negative Regelleistung.

Für die Primärreserve gilt in der Regel ein Mindestgebot von 1 Megawatt. Auch hier findet eine symmetrische Ausschreibung – für eine positive und negative Regelleistung – statt. Wenn es um die Primärreserve geht, werden Zeitscheiben ausgeschrieben. Bei Zeitscheiben handelt es sich um Blöcke mit jeweils vier Stunden Reserve.

Mitunter hohe Kosten für RegelenergieDie Kosten für Regelenergie schwanken stark: Je nach Versorgungslage müssen Energieversorger bis zu 1,50 Euro pro Kilowattstunde Regelenergie zahlen. Das ist um ein Vielfaches höher als der Strompreis für Haushaltsstrom, den die Endverbraucher zahlen. Meistens befindet sich der durchschnittliche Ausgleichsenergiepreis jedoch auf der Höhe des Börsenstrompreises.

Leistungs- und Arbeitspreis der Regelenergie

Die Vergütung der Regelenergie hängt vom Leistungs- und Arbeitspreis ab. Der Leistungspreis wird für alle Regelenergiearten bereits dafür gezahlt, dass die Regelenergie bei Bedarf bereitgehalten wird. Für die Sekundär- und Minutenreserve fällt außerdem ein Arbeitspreis pro Megawatt Regelenergie an.

Der Arbeitspreis entfällt bei der Primärreserve. Die Abrufe gleichen sich bei der symmetrischen Bereitstellung schließlich über einen längeren Zeitraum betrachtet aus. Die Kosten für die Regelenergiebeschaffung tragen die für Lastabweichungen verantwortlichen Akteure im Stromnetz.

Regelenergie Preisentwicklung im Laufe der Zeit

nach oben zeigender Pfeil

Aufgrund der anhaltenden Energiepreiskrise sowie angetrieben durch die angespannte Lage auf dem Energiemarkt und den russische Angriffskrieg auf die Ukraine, sind die Strompreise Stand Juni 2022 so hoch wie nie. Die Regelenergie folgt dem gleichen Trend wie die dramatische Strompreisentwicklung. So steigt der durchschnittliche Leistungspreis pro Zeitscheibe pro Megawatt am Regelleistungsmarkt seit 2020 stark an.

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Unsere Servicezentren sind gerade geschlossen. Sie erreichen uns Montag bis Freitag von 8:00 bis 19:00 Uhr. Alternativ:

  • Unterschieden werden die Preise für die folgenden Reserven:
  • PRL / Primärreserve
  • SRL / Sekundärreserve (positive Regelenergie)
  • SRL / Sekundärreserve (negative Regelenergie)
  • MRL / Minutenreserve (positive Regelenergie)
  • MRL / Minutenreserve (negative Regelenergie)

Lag der Preis für positive Minutenreserve Stand Dezember 2020 noch bei etwas mehr als 2.000 Euro pro Megawatt, so stieg der Preis für die Regelleistung 2021 im Mai auf rund 9.000 Euro und im Oktober 2021 auf fast 10.000 Euro an.

Noch deutlicher wird der Anstieg, wenn man die Preise für die Primärreserve im gleichen Zeitraum betrachtet: Hier steigen die Preise pro Megawatt von fast 6.000 Euro im Dezember 2020 auf 14.000 Euro im Mai 2021 und auf mehr als 36.000 Euro im Oktober 2021! Auch bei den anderen Regelenergiearten ist ein konstanter Anstieg zu erkennen.(Quelle: Regelenergieprodukte seit November 2020t, Next Kraftwerke, 2021)

goldenes Sparschwein
Aktualisiert am