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Steuern und Abgaben für Strom in Deutschland

Deutsche Steuererklärung mit Stift

Rund 51 Prozent des Strompreises entfallen in einem deutschen Durchschnittshaushalt auf die Steuern und gesetzlichen Abgaben. Damit hat Deutschland nach dem Spitzenreiter Dänemark den höchsten Steuersatz in der EU festgesetzt. Wie der Staat und die Kommunen Ihren Strom besteuern und für welche Zwecke sie diese Einnahmen ausgeben, erfahren Sie im Folgenden.

Allgemein: Höhere Steuern für eine klimafreundlichere Zukunft

Auf Ihrer Jahresendabrechnung sehen Sie, dass Sie zwei verschiedene Steuern und insgesamt fünf Umlagen und Abgaben zu entrichten haben. Laut dem Bund der Deutschen Energie- und Wasserwirtschaft (bdew) ist die Steuerlast insbesondere in den vergangenen 15 Jahren gestiegen. 1998 lag die Abgabenlast noch bei 25 Prozent und hat seitdem sich um 263 Prozent mehr als verdoppelt. Der Stromgesamtpreis erhöhte sich im gleichen Zeitraum nur um 70 Prozent. Nach Angaben der Bundesnetzagentur setzt sich die Steuerlast wie folgt zusammen:

  • Diese Steuern und Abgaben zahlen Sie auf Ihren Stromverbrauch (Stand: 2015; Anteil in Prozent zum Gesamtpreis):
  • Stromsteuer (Ökosteuer): 7 Prozent
  • Umsatzsteuer: 16 Prozent
  • EEG-Umlage: 21,2 Prozent
  • Konzessionsabgabe: 5,6 Prozent
  • KWK-Umlage: 0,9 Prozent
  • Umlage nach §19 StromNEV: 0,8 Prozent
  • Offshore-Haftungsumlage: 0,9 Prozent
  • Umlage für abschaltbare Lasten (abLa): 0,02 Prozent

 Stromsteuer (Ökosteuer)

Die Stromsteuer wird direkt vom Bund eingezogen und beträgt zurzeit im Regelsatz 2,05 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Die rot-grüne Bundesregierung führte diese Steuer im April 1999 zur Subventionierung der gesetzlichen Rentenversicherung ein. Die Stromsteuer stabilisiert somit das Rentensystem und soll als eine Ökosteuer darüberhinaus Verbraucher für einen ressourcen-effizienten und klimafreundlichen Umgang mit Energie sensibilisieren. Zudem sollten mit der Steuer umweltschonende Produkte und Innovationen gefördert werden. Die Höhe des Steuersatzes und die Verteilung der Einnahmen sind im Stromsteuergesetz (StromStG) und in der Stromsteuer-Durchführungsverordnung (StromStV) geregelt.

 Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer)

Die Umsatzsteuer liegt zurzeit bei 19 Prozent und ist ebenso für die Bundeskasse bestimmt. Diese Verbrauchssteuer wird auf den Nettogesamtpreis erhoben und besteuert somit neben dem reinen Energiepreis und den Netzgebühren auch die sonstigen Steuern und Abgaben. Rechtsgrundlage für diese Steuer ist das Umsatzsteuergesetz (UStG) und die zugehörige Umsatzsteuerdurchführungsverordnung (UStDV). Ein Haushalt mit einem Verbrauch von 3.500 kWh/Jahr zahlt zurzeit 3,4 Ct./kWh. Die Umsatzsteuer wird in einem Verteilungsschlüssel an Bund, Länder und Gemeinden ausbezahlt und für verschiedene Zwecke staatlichen Handelns (insbesondere in die Bereiche Bildung und Verkehr) ausgegeben.

 EEG-Umlage

Die Umlage aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG-Umlage) hat zum Ziel, die Differenz zwischen Marktpreis und gesetzlichem Abnahmepreis der Einspeisemengen von EEG-Anlagen zu decken. Die Umlage trat zur finanziellen Unterstützung von erneuerbaren Energiequellen bereits 2000 in Kraft und wurde seither mehrmals novelliert (zuletzt 2014).

Die EEG-Umlage wird direkt per Umlageverfahren an die Kraftwerke- und Anlagenbetreiber weitergeleitet. Da diese nämlich gesetzlich verpflichtet sind, den erzeugten Strom aus Wasser-, Windkraft und Photovoltaik-, Biomasse- und Geothermiestrom zu festgelegten Preisen abzunehmen, erhalten diese die Differenz zum herrschenden Großhandelspreis auf dem Strommarkt über die EEG-Umlage zurück. Umgerechnet bezahlen Stromkunden zurzeit einen Umlagenbetrag von ca. 0,76 Ct/kWh.

 Konzessionsabgabe

Diese Abgabe ist direkt für die Kommunen bestimmt. Sie variiert je nach Einwohnerzahl zwischen 1,32 Ct./kWh und 2,39 Ct./kWh. Sie ist bundeseinheitlich in der Konzessionsverordnung bestimmt. Die Einnahmen müssen die Versorgungsunternehmen für die Benutzung der öffentliche Straßen zur Verlegung der Versorgungsleitung entrichten.

 KWK-Umlage

Eine weitere Umlage ist für die Förderung von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK-Anlagen) bestimmt. Die gesetzliche Grundlage ist im KWK-Gesetz von 2002 zu finden. Die Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen können mit den Brennstoffen Gas und Kohle gleichzeitig Strom und Wärme erzeugen. Denn sie nutzen die Abwärme aus der Stromerzeugung für die Versorgung der Haushalte mit Fernwärme und können somit durch die doppelte Nutzung CO2-Emissionen stark reduzieren. Zurzeit zahlen Sie für die KWK-Umlage einen Aufschlag von 0,376 Ct./kWh.

 Umlage nach §19 StromNEV

Um energieintensive Industrien in Deutschland zu schützen, hat der Staat unter bestimmten Voraussetzungen eine vollständige Befreiung der Netzgebühren gewährt. Dieses ist seit 2011 in der sogenannten Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV). Um die entgangenen Netzgebühren für die Netzbetreiber zu entschädigen, zahlen die Letztverbraucher eine zusätzliche Umlage, die in §19 Strom-NEV geregelt ist.

Diese wird jährlich festgelegt. Die Höhe der Umlagebeträge orientiert sich maßgeblich am Verbrauch des Kunden. Kunden, die weniger als 1.000.000 kWh pro Jahr verbrauchen, zahlen für 2016 eine Umlage von 0,378 Ct./kWh. Dies schließt Privat- wie auch die meisten Gewerbekunden ein. Industriekunden mit einen höheren Verbrauch müssen dagegen nur eine maximale Umlage von 0,05 Ct./kWh entrichten. Letztverbraucher, die im produzierenden Gewerbe oder im Bahnverkehr tätig sind, und deren Stromkosten im Vorjahr um vier Prozent über den Umsatz lagen, zahlen für Strombezüge, die den Verbrauch von 1.000.000 kWh übersteigen, 0,025 Ct./kWh.

 Offshore-Haftungsumlage

In der Novelle des Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) von 2012 legte die Bundesregierung die Offshore-Umlage fest. Diese entschädigt Netzbetreiber für Schäden, die durch Verzögerungen und Ausfällen bei Netzanbindungen von Offshore-Windparks in der Nord- und Ostsee entstanden sind.. Aktuell bezahlen Endkunden einen Offshore-Haftungsumlage von 0,25 Ct./kWh (Stand 2015).

 Umlage für abschaltbare Lasten (AbLa)

Da Sonnen- und Windkraftstrom nur erzeugt werden kann, wenn Sonne und Wind ausreichend vorhanden ist und somit nur unregelmäßig ins Netz eingespeist werden kann, sind große Stromverbraucher seit Januar 2014 gesetzlich verpflichtet, bei Netzüberlastungen ihren Strombezug kurzzeitig abzuschalten. Für die erzwungene Unterbrechung erhalten die Großkunden (zumeist energieintensive Industriebetriebe) über den Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB) eine finanzielle Entschädigung.

Diese Entschädigung wird wiederum auf den Letztverbraucher nach §18 der Verordnung über Vereinbarung zu abschaltbaren Lasten (AbLaV) umgelegt.