Wie hat sich der Gasverbrauch Deutschland entwickelt?
Langfristige Entwicklung seit 2005
Im Jahr 2025 lag der Erdgasverbrauch in Deutschland nach vorläufigen Zahlen der AG Energiebilanzen bei 2.804 Petajoule (PJ) und damit rund 15 % unter dem Höchststand von 2021 (3.303 PJ). Den Tiefpunkt markierte das Jahr 2023 mit 2.621 PJ; seitdem steigt der Verbrauch wieder leicht (2024: 2.727 PJ, plus 4,1 %; 2025: plus 2,8 %).
Zur Einordnung der Einheiten: Die AG Energiebilanzen rechnet in Petajoule und nach Heizwert; 1.000 PJ entsprechen rund 278 TWh. Die Bundesnetzagentur zählt dagegen die im Gasnetz abgesetzte Energie nach Brennwert, so wie sie auch auf Ihrer Gasrechnung steht, und kommt deshalb auf höhere Werte: 864 TWh für 2025 (2024: 845 TWh, plus 2,2 %). Gegenüber dem Durchschnitt der Vorkrisenjahre 2018 bis 2021 waren das knapp 13,5 % weniger, und zwar bei Temperaturen auf dem Niveau dieser Jahre.
Über zwei Jahrzehnte betrachtet bewegte sich der Verbrauch von 2005 bis 2010 zwischen 3.000 und 3.300 PJ, sank im milden Jahr 2014 auf 2.660 PJ und stieg mit dem zunehmenden Einsatz von Gaskraftwerken und dem kalten Frühjahr 2021 auf den Rekordwert von 3.303 PJ. Mit der Energiekrise 2022 folgte der Einbruch um 17,6 % auf 2.721 PJ, getragen von Einsparungen in Industrie und Haushalten, Brennstoffwechseln und hohen Preisen; 2023 sank der Verbrauch noch einmal auf 2.621 PJ.
Erdgasverbrauch Deutschland 2005–2025 (Petajoule pro Jahr)
Erdgas im Primärenergieverbrauch, Jahreswerte nach Heizwert; 2005 bis 2024 endgültig, 2025 vorläufig. Quelle: AG Energiebilanzen, Auswertungstabellen zur Energiebilanz 1990 bis 2025 (Stand: 6. Juli 2026). Netzabsatz in TWh: Bundesnetzagentur, Zahlen zur Gasversorgung 2025 (Januar 2026).
Aktuelle Entwicklung: erstes Halbjahr 2026
Der Jahreswert 2026 liegt erst im Dezember als erste Schätzung und im Sommer 2027 in revidierter Form vor. Für den Zwischenstand veröffentlicht die AG Energiebilanzen Halbjahreszahlen: Im ersten Halbjahr 2026 lag der Erdgasverbrauch bei 1.556 PJ und damit 1,3 % über dem Vorjahreszeitraum (1.535 PJ). Nach Brennwert gerechnet waren das 478,8 TWh (Vorjahr: 472,5 TWh).
Erdgas deckte damit 29,1 % des gesamten deutschen Primärenergieverbrauchs von 5.341 PJ und blieb der zweitwichtigste Energieträger nach Mineralöl. Bemerkenswert ist der Kontrast: Während der Gesamtverbrauch aller Energieträger um 1,9 % sank, legte Erdgas leicht zu. Nach Einschätzung der AG Energiebilanzen glichen sich die prägenden Einflussfaktoren Witterung, Konjunktur und Preisentwicklung dabei weitgehend aus.
Vorläufige Angaben, Datenstand 24. Juli 2026, veröffentlicht am 4. August 2026. Quelle: AG Energiebilanzen, Energieverbrauch in Deutschland, 1. und 2. Quartal 2026.
Wer verbraucht das Gas der Privathaushalte?
Die nationale Gesamtmenge sagt noch nichts darüber, wie sich der Verbrauch auf die Haushalte verteilt. Das Statistische Bundesamt teilt private Haushalte in drei Jahresverbrauchsklassen ein und weist aus, welchen Anteil jede am gesamten Gasverbrauch der Haushalte hat. Das Ergebnis ist eindeutig: Der Verbrauch ist stark in der Mitte konzentriert.
Gasverbrauch privater Haushalte nach Verbrauchsklasse, 2025
| Jahresverbrauch | Anteil am Verbrauch |
|---|---|
| unter 5.600 kWh | 3,6 % |
| 5.600 bis 55.600 kWh | 79,3 % |
| 55.600 kWh und mehr | 17,0 % |
Rundungsbedingte Abweichungen sind möglich. Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Tabelle 61243-0013, Stand der Daten: 21. August 2026.
Rund 79,3 % des Haushaltsgases entfallen auf die mittlere Klasse von 5.600 bis 55.600 kWh pro Jahr, also auf die klassische Wohnung oder das Einfamilienhaus mit Gasheizung. Kleinverbraucher unter 5.600 kWh, typischerweise Haushalte, die Gas nur zum Kochen oder für Warmwasser nutzen, machen zusammen lediglich 3,6 % aus.
Für die Einordnung eigener Zahlen ist das wichtig: Wenn in Statistiken oder Nachrichten ein durchschnittlicher Gaspreis genannt wird, bezieht er sich in der Regel auf genau diese mittlere Klasse. Kleinverbraucher zahlen pro Kilowattstunde deutlich mehr, weil sich der Grundpreis auf weniger Verbrauch verteilt. Die konkreten Werte je Klasse zeigt der Gaspreisvergleich.
Gründe für die Entwicklung des Erdgasverbrauchs in Deutschland
Die Veränderungen im Gasverbrauch in Deutschland lassen sich auf mehrere Faktoren zurückführen:
- Wirtschaftliche Entwicklung: In Zeiten wirtschaftlichen Wachstums steigt der Gasverbrauch, da Industrie und Gewerbe mehr Energie benötigen. In Krisenzeiten hingegen sinkt er;
- Wetterbedingungen: Kalte Winter führen zu einem höheren Gasverbrauch für Heizungen, während milde Temperaturen den Verbrauch senken;
- Energiepreise: Hohe Gaspreise in den Jahren 2022 und 2023 haben Unternehmen und Haushalte dazu veranlasst, sparsamer mit Gas umzugehen oder auf alternative Energieträger umzusteigen. Den aktuellen Gaspreis pro kWh nach Postleitzahl sehen Sie im Tarifvergleich;
- Politische Maßnahmen und Energiewende: Der Ausbau erneuerbarer Energien, höhere Effizienzstandards und gesetzliche Vorgaben zur Reduktion von CO₂-Emissionen tragen langfristig zu einem sinkenden Gasverbrauch bei.
Wie wird sich der Gasverbrauch Deutschland in Zukunft entwickeln?
Langfristig wird erwartet, dass der Gasverbrauch in Deutschland weiter zurückgeht. Der Ausbau erneuerbarer Energien wie Wind- und Solarenergie soll fossile Energieträger zunehmend ersetzen und die Abhängigkeit von Erdgas verringern.
Gleichzeitig tragen Effizienzmaßnahmen, etwa durch moderne Heiztechnologien, bessere Gebäudedämmung und optimierte Industrieprozesse, dazu bei, den Energiebedarf nachhaltig zu senken. Für einzelne Haushalte heißt das vor allem: Der Umstieg auf eine Wärmepumpe ersetzt den Gasverbrauch, statt ihn nur zu senken.
Dennoch bleibt unklar, ob der Verbrauch in den kommenden Jahren kontinuierlich sinken wird oder kurzfristige Schwankungen auftreten – insbesondere durch wirtschaftliche Entwicklungen, politische Entscheidungen oder klimatische Bedingungen. Wie sich das auf den Preis auswirkt, den Sie zahlen, steht in unserer Einschätzung zur Gaspreisentwicklung.
Der Bundesschnitt verdeckt deutliche regionale Unterschiede: Industrie- und einwohnerstarke Bundesländer treiben den Gesamtverbrauch. Wie sich Verbrauch und Tarife im bevölkerungsreichsten Land entwickeln, zeigt die Regionalauswertung zum Gaspreis in Nordrhein-Westfalen.
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