Was sind Netzentgelte?

"Netzentgelte sind Gebühren, die erhoben werden, wenn der Energieanbieter Strom durch die Versorgungsnetze des Netzbetreibers leitet." Diese werden auch als Netznutzungsentgelte bezeichnet und bilden einen Teil des Strompreises des Kunden, üblicherweise unter der Bezeichnung „Netzgebühren" auf der Stromrechnung aufgeführt.

Privathaushalte zahlen Netzentgelte nicht direkt an Netzbetreiber, sondern über ihren Stromanbieter. Gewerbliche und industrielle Kunden mit höherem Verbrauch müssen diese Gebühren selbst an den Netzbetreiber überweisen.

Netzbetreiber Definition

Netzbetreiber sind Dienstleistungsunternehmen, die Stromnetze betreiben und sicherstellen, dass Strom bis zum Endkunden gelangt. Sie kümmern sich um Aufbau, Betrieb und Instandhaltung der Stromnetze. Deutschland hat 4 große Übertragungsnetzbetreiber (für Stromtransport über große Entfernungen) und 875 Verteilernetzbetreiber (regionale Netzbetreiber).

Wer zahlt Netzentgelte?

Stromverbraucher zahlen Netzentgelte. Privathaushalte zahlen diese indirekt über ihren Stromanbieter, der das Netzentgelt an den regionalen Netzbetreiber weitergeleitet. Gewerbe- und Industriekunden führen ab bestimmtem Verbrauch- und Lastprofil Netzentgelte selbst an den Netzbetreiber ab. Große industrielle Verbraucher mit jährlichem Stromverbrauch über 10 GWh können sich von Netzentgelten komplett befreien lassen.

Das Netzentgelt muss für jede angemeldete Zählerstelle bezahlt werden, unabhängig davon, ob sich die Zählerstellen im selben Haus befinden oder nicht. Diese Regel gilt für Privat- und Gewerbekunden.

Wie hoch sind die Netzentgelte?

Die Höhe der Netzentgelte ist regional und bei jedem Netzbetreiber unterschiedlich hoch. Netzentgelte in Deutschland variieren stark. Die höchsten Netzentgelte finden sich in nördlichen und neuen Bundesländern wie Brandenburg und Schleswig-Holstein.

Die niedrigsten Netzentgelte sind in alten Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen oder Saarland zu finden. Ländliche Regionen haben im Durchschnitt höhere Netzentgelte als Stadtregionen. Diese Unterschiede werden begründet durch:

  • Unterschiedliche Auslastung der Netze ;
  • Alter der Netze ;
  • Qualität der Netze ;
  • Integrationskosten der Erneuerbaren Energien.

Anteil der Netzentgelte am Strompreis 2025

Netzentgelte bilden zusammen mit Strombeschaffung, Vertrieb und Gewinn sowie Steuern, Abgaben und Umlagen den gesamten Strompreis. Der durchschnittliche Strompreis bei einer Abnahmemenge zwischen 2.500 kWh und 5.000 kWh liegt Stand April 2026 zwischen 27 und 44 Cent/kWh.

Strompreis-Zusammensetzung 2025 (bei 40 Cent/kWh)

Komponente Betrag
Strombeschaffung, Vertrieb & Marge (40,5 %)16,2 Cent/kWh
Netzentgelte, inkl. Messstellenbetrieb (27,5 %)11 Cent/kWh
Steuern, Abgaben und Umlagen (32 %)12,8 Cent/kWh

Quelle: Strom Report, Strompreiszusammensetzung 2025

Dynamische Netzentgelte: Neue Spar-Chance

Ab 1. April 2025 können Verbraucher in Deutschland von dynamischen Netzentgelten profitieren. Diese sind besonders vorteilhaft für Haushalte mit Smart Metern oder steuerbaren Geräten wie Wärmepumpen, Photovoltaik-Heimspeichern oder E-Auto-Ladestationen.

Dynamische Netzentgelte variieren je nach Netzauslastung: "Bei hoher Auslastung steigen die Kosten, bei niedriger Auslastung sinken sie." Wer in Zeiten niedriger Netzauslastung Strom bezieht, kann deutlich sparen. Flexible Verbraucher, die ihren Stromverbrauch an diese Schwankungen anpassen, können so Kosten reduzieren.

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Wer legt die Netzentgelte fest?

Die Höhe der Netzentgelte wird nicht vom Netzbetreiber selbst festgelegt, sondern von Regulierungsbehörden für jeden Netzbetreiber berechnet und festgesetzt. Die Bundesnetzagentur oder Landesregulierungsbehörden legen für jeden Netzbetreiber eine sogenannte Erlösobergrenze fest.

Wie werden die Netzentgelte festgelegt?

Mit der Erlösobergrenze werden jedem Netzbetreiber die Obergrenzen für seine Erlöse aus Netzentgelten vorgegeben. Der Netzbetreiber kann nicht mehr aus der Summe seiner eingenommenen Netzentgelte verdienen, als die von der Regulierungsbehörde vorgegebene Erlösobergrenze erlaubt.

Die Bestimmung der Erlösobergrenze besteht aus vier Verfahrensschritten. Netzbetreiber müssen sich bei der Festlegung der Netzentgelte nach der Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV) richten. Diese besagt auch, dass die Höhe der Netzentgelte von jedem Netzbetreiber im Internet in Form eines Preisblattes veröffentlicht werden muss.

Vier Verfahrensschritte

  1. Kostenprüfung: Zuerst wird eine Kostenprüfung durchgeführt ;
  2. Effizienzvergleich: Ermittlung der Netzbetreiber-Effizienz zu anderen Netzbetreibern ;
  3. Erlösobergrenze: Festlegung der Erlösobergrenze anhand des Effizienzvergleichs ;
  4. Netzentgelte: Netzbetreiber legt anhand der Erlösobergrenze die Netzentgelte für die Nutzung seiner Netze fest.

Wie setzen sich Netzentgelte zusammen?

Das Netzentgelt setzt sich aus einem Leistungs- und einem Arbeitspreis zusammen:

  • Leistungspreis (LP): Wird anhand der Leistung des Haushalts in Kilowatt (kW) berechnet ;
  • Arbeitspreis (AP): Wird auf Basis des Stromverbrauchs in Kilowattstunden (kWh) berechnet.

Zusammen ergeben sie die Netznutzungsentgelte.

Die Berechnung des Netzentgelts aus Grundpreis (Euro/Monat) und Arbeitspreis (Cent/kWh) wird von Lieferanten sehr unterschiedlich in die Strompreise umgerechnet.

Verwendung von Netzentgelten durch Netzbetreiber

Netzentgelte, die von Netzbetreibern eingenommen werden, werden wie folgt verwendet:

  1. Instandhaltung Stromnetze ;
  2. Vermiedene Netzentgelte ;
  3. Einspeisemanagement ;
  4. Netzreserve ;
  5. Vorhaltung von Regelleistung ;
  6. Blindleistung ;
  7. Verlustenergie ;
  8. Sicherheitsbereitschaft ;
  9. Redispatch ;
  10. Kapazitätsreserve ;
  11. Sonstige Kosten.

Wer zahlt die meisten Netzentgelte?

Stromhaushaltskunden zahlen in Deutschland die meisten Netzentgelte. Sie werden mit dem Hauptanteil der Kosten belastet, da sie für alle Stromnetzebenen die Kosten übernehmen müssen – von der Niederspannungsnetz bis hin zum Höchstspannungsnetz.

Im Vorteil liegen Gewerbe- und Industriekunden mit höherem Stromverbrauch, da diese nur für die höheren Stromnetzebenen zahlen. Diese sind an die Mittel- oder Höchstspannungsnetze angeschlossen und nicht wie Privathaushalte an die Niederspannungsnetze.

Wer zahlt keine Netzentgelte?

Industrielle Kunden mit einem jährlichen Stromverbrauch über 10 GWh (entspricht 1 Million kWh) können sich von Netzentgelten befreien lassen. Die fehlenden Netzentgelte müssen allerdings durch die Einnahmen von Privatkunden ausgeglichen werden. Beispielsweise mussten im Jahr 2007 Privatstromkunden 1,1 Milliarden Euro aufbringen, um die Netzentgelt-Befreiung von 5.000 Firmen zu finanzieren.

Neben industriellen Großkunden können auch an das Stromnetz angeschlossene Stromspeicher von Netzentgelten befreit werden. Die Befreiung gilt für einen Zeitraum von 20 Jahren und bezieht sich auf Speicher, die 15 Jahre nach dem 4.08.2011, also bis zum 8.2026, in Betrieb genommen wurden oder werden.

Exkurs: Messentgelte

Neben Netzentgelten zahlen Privathaushalte außerdem Messentgelte. Diese sind auf der Stromrechnung unter den "Netzgebühren" aufgeführt, meistens nach den Netzentgelten. Die Messentgelte sind Kosten für die Wartung und den Ausbau des Stromzählers.

Der Netzbetreiber kann, muss aber nicht zwingend der Messstellenbetreiber sein. In Deutschland kann jeder Verbraucher seinen Messstellenbetreiber frei wählen. Die Grundlage bildet das Messstellenbetriebsgesetz (MsbG), das seit 2017 aktiv ist. Das Gesetz regelt unter anderem die Installierung intelligenter Messsysteme (Smart Meter) und modernen Messeinrichtungen (digitale Darstellung des Verbrauchs; keine Funktion zur Versendung von Daten).

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