Dunkelflaute-Ampel für Deutschland
Woher kommt der Strom gerade? Der deutsche Strommix live
Das Wichtigste auf einen Blick
- ›Eine Dunkelflaute ist eine Wetterlage mit gleichzeitig wenig Wind und wenig Sonne. Sie tritt vor allem im Winterhalbjahr auf.
- ›Die Ampel misst den Anteil von Wind und Sonne an der Netzlast: Grün ab 40 %, Gelb zwischen 10 und 40 %, Rot unter 10 %.
- ›Rot heißt teuer, nicht Blackout. Die Versorgung bleibt über Reservekraftwerke und Importe gesichert.
- ›Mit einem dynamischen Stromtarif spüren Sie teure Dunkelflaute-Stunden direkt, können aber auch günstige Grün-Phasen gezielt nutzen.
Was ist eine Dunkelflaute?
Der Begriff setzt sich aus „Dunkel“ (keine Sonne) und „Flaute“ (kein Wind) zusammen. Gemeint ist eine Wetterlage, in der Photovoltaik und Windkraft über Stunden oder Tage gleichzeitig kaum Strom erzeugen. Weil beide zusammen in Deutschland den größten Teil der erneuerbaren Erzeugung stellen, müssen in einer Dunkelflaute konventionelle Kraftwerke und Importe die Lücke schließen.
Eine amtliche Definition der Dunkelflaute gibt es nicht. Als praktische Schwelle nutzt das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) eine Bedarfsdeckung durch Wind und Solar von unter 10 % über zwei aufeinanderfolgende Tage. Genau diese 10-%-Marke verwendet auch unsere Ampel für die rote Stufe. Die Grenzen von 10 und 40 % dokumentieren wir bewusst offen, damit Sie den Wert selbst einordnen können.
Wie entsteht eine Dunkelflaute?
Typischer Auslöser ist eine stabile winterliche Hochdrucklage. Über Mitteleuropa liegt dann tagelang ruhige, kalte Luft: kaum Wind, dazu Nebel oder eine geschlossene Hochnebeldecke, die das ohnehin flache Sonnenlicht des Winters weitgehend abschirmt. Windräder stehen fast still, und die Photovoltaik liefert selbst mittags nur einen Bruchteil ihrer Sommerleistung.
Besonders angespannt wird es, wenn Kälte hinzukommt. Niedrige Temperaturen treiben den Strombedarf nach oben, weil Wärmepumpen, Heizungspumpen und elektrische Zusatzheizungen mehr leisten müssen. Hoher Verbrauch trifft dann auf schwache Wind- und Solareinspeisung. Genau diese Kombination lässt die Großhandelspreise an der Strombörse steigen und schiebt die Ampel Richtung Gelb und Rot.
Wie erkenne ich eine Dunkelflaute?
Am schnellsten über die Ampel oben auf dieser Seite. Sie rechnet fortlaufend den Anteil von Wind und Sonne an der Netzlast aus und ordnet ihn drei Stufen zu:
- Grün (ab 40 %): Reichlich Wind und Sonne, keine Dunkelflaute. Gute Zeit, um flexible Verbraucher laufen zu lassen;
- Gelb (10 bis 40 %): Angespannte Lage, konventionelle Kraftwerke tragen einen großen Teil der Deckung. Preise im Blick behalten;
- Rot (unter 10 %): Dunkelflaute-Bedingungen, hohe Börsenpreise sind wahrscheinlich. Teure Stunden nach Möglichkeit meiden.
Es gibt außerdem Frühwarnzeichen, die sich ein bis zwei Tage vorher abzeichnen. Eine angekündigte, beständige winterliche Hochdrucklage mit Nebel und Windstille ist der wichtigste Hinweis. Ein zweites Signal liefert der Markt selbst: Steigen die Day-Ahead-Preise an der Strombörse für den Folgetag deutlich, hat der Markt eine knappe Einspeisung bereits eingepreist. Deshalb zeigt die Ampel neben dem heutigen Ist-Wert auch die Prognose für morgen, sobald diese vorliegt.
Droht bei einer Dunkelflaute ein Blackout?
Nein. Eine Dunkelflaute ist zuerst ein Preis-, kein Versorgungsproblem. Fällt die Erzeugung aus Wind und Sonne weg, springen andere Quellen ein: Gas-, Kohle- und Biomassekraftwerke fahren hoch, Pumpspeicher und Batterien stützen, und Deutschland importiert Strom aus dem europäischen Verbundnetz. Reservekraftwerke stehen zusätzlich bereit, falls es eng wird.
Über die Reihenfolge entscheidet die sogenannte Merit-Order: Zuerst kommen die günstigsten Kraftwerke zum Zug, am Ende die teuersten. In einer Dunkelflaute rückt dieses teure Ende in den Vordergrund, und genau das treibt den Preis. Die Bundesnetzagentur überwacht die Versorgungssicherheit laufend und stuft sie als gegeben ein. Das Risiko einer Dunkelflaute liegt also auf Ihrer Stromrechnung, nicht bei der Frage, ob das Licht angeht.
Was bedeutet eine Dunkelflaute für meinen Strompreis?
Wie stark Sie eine Dunkelflaute im Geldbeutel spüren, hängt vor allem von Ihrem Tarif ab. Mit einem klassischen Festpreistarif ist Ihr Arbeitspreis für die Vertragslaufzeit fixiert. Eine einzelne Dunkelflaute erreicht Sie dann nicht direkt, wohl aber mittelbar: Häufen sich teure Phasen, schlägt sich das mit Verzögerung in den Preisen neuer Verträge nieder.
Mit einem dynamischen Stromtarif folgt Ihr Arbeitspreis dagegen Stunde für Stunde der Börse. In einer Dunkelflaute werden dadurch einzelne Stunden spürbar teurer. Der gleiche Mechanismus wirkt aber auch umgekehrt: An grünen Tagen mit viel Wind und Sonne fallen die Preise, und wer flexibel ist, verschiebt Wäsche, Spülmaschine oder das Laden des Elektroautos gezielt in die günstigen Fenster. Voraussetzung dafür ist ein intelligentes Messsystem (Smart Meter).
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Häufig gestellte Fragen zur Dunkelflaute
Ausgeprägte, mehrtägige Dunkelflauten treten nach Auswertungen des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) typischerweise einige Male pro Jahr auf, in der Größenordnung von fünf bis zehn Ereignissen. Kürzere Flauten von wenigen Stunden sind häufiger. Fast alle fallen in das Winterhalbjahr.
Die meisten Dunkelflauten dauern ein bis drei Tage. Bei sehr stabilen winterlichen Hochdrucklagen können es auch bis zu acht Tage werden. Danach lockert die Wetterlage in der Regel auf, Wind oder Sonne kehren zurück und die Ampel wandert wieder Richtung Grün.
Ganz überwiegend ja. Im Sommer sorgt die starke Sonneneinstrahlung fast immer für ausreichend Solarstrom, selbst wenn kaum Wind weht. Im Winter ist die Sonne schwach und steht tief, sodass eine windstille Hochdrucklage schnell zu einer echten Dunkelflaute führt.
Wenn die Ampel auf Rot steht, verschieben Sie flexible Verbraucher wie Waschmaschine, Spülmaschine, Wärmepumpe oder das Laden des E-Autos nach Möglichkeit in günstigere Stunden oder auf einen der folgenden Tage. Das lohnt sich vor allem mit einem dynamischen Stromtarif, bei dem Ihr Arbeitspreis den Börsenstunden folgt.
Nein. Die Ampel bewertet Marktbedingungen und Preisrisiko, nicht die Versorgungssicherheit. In einer Dunkelflaute übernehmen konventionelle Kraftwerke, Speicher und Importe die Deckung. Rot bedeutet also, dass Strom teuer ist, nicht dass er ausfällt.