Das Wichtigste in Kürze

  • Ursache: negative Preise entstehen, wenn Solar- und Windstrom die Nachfrage übersteigen und unflexible Kraftwerke weiterlaufen;
  • Kein Geld aufs Konto: negativ wird nur der Börsenpreis – Netzentgelte, Steuern und Abgaben bleiben positiv, der Endpreis sinkt aber stark;
  • Wer profitiert: nur Haushalte mit dynamischem Tarif, die Verbrauch in die günstigen Stunden verschieben – Festpreiskunden nicht;
  • Kehrseite: derselbe Tarif bringt auch teure Preisspitzen mit sich;
  • Trend: 2025 gab es 573 Stunden mit negativen Preisen – Tendenz klar steigend.

Was sind negative Strompreise – und warum entstehen sie?

Der Großhandelspreis für Strom bildet sich stündlich an der Börse (EPEX Spot) aus Angebot und Nachfrage. Ein negativer Preis bedeutet: Es ist mehr Strom im Netz, als gerade gebraucht wird – und die Erzeuger zahlen dafür, ihn loszuwerden, statt Geld zu bekommen.

Das passiert vor allem an sonnigen, windigen Stunden mit geringer Nachfrage – typischerweise mittags am Wochenende. Zwei Faktoren treffen zusammen:

  • Überschuss aus Erneuerbaren: Photovoltaik und Wind speisen sehr viel Strom ein, während der Verbrauch niedrig ist;
  • unflexible Erzeugung: manche Kraftwerke lassen sich nicht kurzfristig abschalten und produzieren weiter, sodass das Angebot die Nachfrage übersteigt.

Die Daten dazu sind öffentlich nachprüfbar – etwa über das Marktdatenportal SMARD der Bundesnetzagentur oder die Auswertungen des Fraunhofer ISE auf energy-charts.info.

Wer profitiert wirklich?

Hier trennt sich Mythos von Realität. „Geld fürs Verbrauchen“ suggeriert eine Gutschrift auf dem Konto – die gibt es praktisch nicht. Negativ wird nur der Börsenpreis, also der reine Beschaffungsanteil Ihres Arbeitspreises. Die übrigen Bestandteile bleiben positiv und fix:

  • Netzentgelte, Messstellenbetrieb, Stromsteuer, Umlagen und Mehrwertsteuer fallen unabhängig vom Börsenpreis an;
  • hinzu kommt der Aufschlag Ihres Anbieters für die Belieferung.

Ein negativer Börsenpreis senkt Ihren Endpreis also deutlich, landet aber fast nie unter null. Sie zahlen in diesen Stunden sehr wenig – bekommen aber kein Geld überwiesen. Und ganz wichtig: Dieser Vorteil erreicht nur Haushalte mit einem dynamischen Stromtarif. Wer einen Festpreistarif hat, zahlt rund um die Uhr denselben Arbeitspreis und merkt von negativen Börsenpreisen nichts.

Und selbst mit dynamischem Tarif gilt: Der Vorteil entsteht nur, wenn Sie Verbrauch aktiv in diese Stunden verlegen – und wenn Sie überhaupt ein intelligentes Messsystem haben. Warum das so ist, erklärt der Ratgeber dynamischer Tarif ohne Smart Meter.

Rechenbeispiel: ein sonniges Wochenende

Am 11. Mai 2025 – einem sonnigen Sonntag – fiel der Börsenpreis am deutschen Day-Ahead-Markt mittags auf rund -250 €/MWh, also etwa -25 ct/kWh (Quelle: SMARD, Bundesnetzagentur). Was heißt das für einen Haushalt mit dynamischem Tarif?

Der Beschaffungsanteil ist in dieser Stunde negativ (-25 ct/kWh). Darauf kommen aber die festen Bestandteile – Netzentgelte, Steuern, Abgaben und Anbieteraufschlag – von zusammen grob 20 bis 25 ct/kWh. Der Endpreis landet damit nahe null oder im niedrigen einstelligen Cent-Bereich, nicht im Minus.

Wer in dieser Mittagsstunde das E-Auto lädt oder die Wärmepumpe laufen lässt, zahlt also fast nichts für den Strom – ein realer, aber begrenzter Vorteil. Von einer Gutschrift kann keine Rede sein.

Beste Ladezeiten finden

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Die Kehrseite: Preisspitzen

So verlockend negative Preise klingen – ein dynamischer Tarif hat auch eine Kehrseite. Dieselbe Kopplung an die Börse, die den Preis mittags ins Minus drückt, treibt ihn in nachfragestarken Stunden nach oben: an dunklen Winterabenden ohne Wind kann die Kilowattstunde deutlich teurer sein als im Festpreistarif.

Ein dynamischer Tarif lohnt sich deshalb nur, wenn Sie Verbrauch flexibel verschieben können und die teuren Stunden meiden. Welche Fallstricke es gibt, lesen Sie im Ratgeber dynamische Stromtarife: Preisfallen vermeiden.

Wie oft kommt das vor?

Negative Strompreise sind längst keine Ausnahme mehr, sondern ein struktureller Trend. Die Zahl der Stunden mit negativen Börsenpreisen hat sich seit 2021 mehr als vervierfacht:

Stunden mit negativen Börsenstrompreisen in Deutschland
Jahr Stunden mit negativem Preis
2021 139
2024 457
2025 573

Weil der Ausbau von Solar- und Windkraft weitergeht, dürfte die Zahl weiter steigen (Quelle: SMARD, Bundesnetzagentur, Stand: Anfang 2026). Für flexible Haushalte mit Smart Meter und dynamischem Tarif werden die günstigen Stunden damit tendenziell häufiger.

Häufige Fragen zu negativen Strompreisen

In aller Regel nicht buchstäblich. Negativ wird nur der Börsenpreis – also der reine Beschaffungsanteil. Netzentgelte, Steuern, Abgaben und der Anbieteraufschlag bleiben positiv und fix. Der Endpreis sinkt dadurch stark, landet aber fast nie unter null. Sie zahlen in solchen Stunden also sehr wenig, bekommen aber praktisch kein Geld überwiesen.

Nein. Bei einem Festpreistarif zahlen Sie einen konstanten Arbeitspreis, unabhängig von der Börse. Negative oder sehr niedrige Börsenpreise kommen nur bei Kundinnen und Kunden mit einem dynamischen Tarif an – und auch nur, wenn diese ihren Verbrauch in die günstigen Stunden verlegen.

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Immer häufiger: 2025 gab es laut SMARD 573 Stunden mit negativen Börsenpreisen – nach 457 Stunden 2024 und nur 139 Stunden 2021. Der Trend ist strukturell steigend, weil immer mehr Solar- und Windstrom ins Netz fließt.