Vattenfall hat am 1. September 2026 den Solarpark Nauen bei Berlin offiziell eröffnet: 46 MWp Nennleistung, rund 47 GWh Strom pro Jahr, gebaut ohne staatliche Förderung. Für Haushaltskunden ist dabei ein Detail entscheidend, das in der Meldung leicht übersehen wird.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Solarpark Nauen hat 46 MWp Nennleistung und soll rund 47 GWh pro Jahr erzeugen;
  • die gesamte Produktion ist über einen Zehnjahresvertrag an einen Industriekunden vergeben;
  • ein Haushaltstarif von Vattenfall wird dadurch nicht günstiger und nicht grüner;
  • spürbar ist der Zubau vor allem für Haushalte mit einem dynamischen Tarif.

Was in Nauen entstanden ist

Der Solarpark liegt in der Stadt Nauen im Havelland, rund 40 Kilometer westlich der Berliner Innenstadt. Nach der Pressemitteilung von Vattenfall umfasst die Anlage etwa 80.000 Solarmodule auf 40 Hektar, was in der Pressemitteilung mit der Fläche von rund 56 Fußballfeldern verglichen wird. Technisch in Betrieb ging der Park im Juni 2026, angeschlossen ist er an das Verteilnetz des regionalen Netzbetreibers E.DIS. Die offizielle Eröffnung fand am 1. September 2026 statt.

Bemerkenswert ist die Finanzierung: Vattenfall hat den Park ohne staatliche Förderung errichtet. Er läuft also nicht über die EEG-Vergütung, die sonst über Umlagen und den Bundeshaushalt getragen wird. Wie die Einspeisevergütung im Normalfall funktioniert, erklärt unsere Seite zur Einspeisevergütung.

Der Strom ist bereits vergeben

Das ist der Punkt, der für Ihre Rechnung zählt. Möglich wurde der Park nur durch einen langfristigen Stromliefervertrag, ein sogenanntes Power Purchase Agreement (PPA). Vertragspartnerin ist die Wieland Gruppe aus Ulm, ein Hersteller von Halbfabrikaten aus Kupfer. Sie übernimmt nach Angaben von Vattenfall die gesamte Stromproduktion der Anlage für die kommenden zehn Jahre. Das entspricht rund 15 % des Stroms, den die Gruppe jährlich für ihre deutschen Standorte zukauft.

Claus Wattendrup, bei Vattenfall Leiter des Geschäftsbereichs Solar and Batteries, bezeichnet solche Strompartnerschaften als marktliches Instrument, das Planungssicherheit schaffe und die Allgemeinheit keinen Cent koste.

Kein Effekt auf Ihren Haushaltstarif

Weil die Produktion vollständig an einen Industriekunden vertraglich gebunden ist, fließt aus diesem Park kein Strom in einen Haushaltstarif von Vattenfall. Der Park macht einen Vattenfall-Tarif also weder billiger noch grüner. Wer einen Ökostromtarif abschließt, bekommt seine Grünstromeigenschaft über Herkunftsnachweise, nicht über diese konkrete Anlage.

Was der Zubau für Ihren Strompreis bedeutet

Indirekt wirkt jeder Solarzubau trotzdem, allerdings anders als oft dargestellt. Mehr Solarleistung im System drückt die Börsenpreise in den sonnenreichen Mittagsstunden, teils bis in den negativen Bereich. Wer einen dynamischen Stromtarif hat und Verbrauch zeitlich verschieben kann, merkt das direkt. Wie stark der Preis im Tagesverlauf schwankt, zeigt unsere Strompreis-Ampel.

Bei einem klassischen Festpreistarif bleibt der Effekt dagegen klein und mittelbar. Der Grund ist die Struktur der Rechnung: Nur rund 21 % einer deutschen Stromrechnung folgen überhaupt dem Börsenpreis, wie wir in der Analyse Billiger Börsenstrom senkt Ihre Rechnung kaum aufgeschlüsselt haben. Netzentgelte, Steuern, Abgaben und Umlagen machen den größeren Teil aus und ändern sich durch einen neuen Solarpark nicht.

Was Sie jetzt konkret tun können

Wenn Sie an günstigerem oder grünerem Strom interessiert sind, wirkt der Tarifwechsel deutlich schneller als der Kraftwerkszubau. Ein Marktvergleich für Ihre Postleitzahl steht im Strompreisvergleich, die Auswahl an Ökostromtarifen finden Sie unter Ökostrom.

  1. Prüfen Sie zuerst Ihren aktuellen Arbeitspreis und Grundpreis auf der letzten Jahresabrechnung, denn ohne diese Werte ist kein Vergleich möglich.
  2. Vergleichen Sie die Tarife für Ihre Postleitzahl, da Netzentgelte und damit die Endpreise regional unterschiedlich sind.
  3. Prüfen Sie bei einem dynamischen Tarif, ob Sie Verbrauch wirklich in die Mittagsstunden verlagern können, sonst bleibt der Vorteil theoretisch.
  4. Achten Sie bei Ökostrom auf die Herkunftsnachweise und auf die Vertragslaufzeit, nicht auf einzelne Vorzeigeanlagen.

Tarife von Vattenfall ansehen

Vattenfall bietet auch Strom- und Gastarife für Haushalte an. Die aktuellen Angebote und Konditionen finden Sie direkt beim Anbieter: zu den Tarifen von Vattenfall. Einen Überblick über das Unternehmen gibt unsere Seite zu Vattenfall.

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Häufige Fragen

Wird mein Vattenfall-Tarif durch den Solarpark günstiger?

Nein. Die Produktion des Parks ist für zehn Jahre vollständig an einen Industriekunden vergeben. Ein Haushaltstarif wird dadurch nicht kalkuliert und nicht verbilligt. Preisänderungen bei Haushaltstarifen hängen an Beschaffung, Netzentgelten sowie Steuern und Abgaben.

Was ist ein PPA überhaupt?

Ein Power Purchase Agreement ist ein langfristiger Stromliefervertrag zwischen einem Erzeuger und einem Abnehmer, meist über viele Jahre und zu einem vereinbarten Preis. Für den Erzeuger sichert er die Investition ab, für den Abnehmer die Kosten. Solche Verträge sind bislang vor allem ein Instrument für Industrie und Gewerbe, nicht für Privathaushalte.

Profitiert die Region Havelland davon?

Regional entstehen Pachteinnahmen, Gewerbesteuer und Netzanschlusskosten beim Betreiber, der Park speist in das Netz von E.DIS ein. Auf die Netzentgelte einzelner Haushalte in Brandenburg lässt sich daraus jedoch kein direkter Rabatt ableiten, denn Netzentgelte werden nicht pro Anlage, sondern pro Netzgebiet kalkuliert. Ihren zuständigen Netzbetreiber finden Sie im Netzverzeichnis.