Wie Netzkosten auf Ihre Rechnung kommen
Der Strompreis eines Haushalts besteht nur zu einem Teil aus der Beschaffung des Stroms. Ein erheblicher Anteil entfällt auf Netzentgelte, Steuern, Abgaben und Umlagen. In unserem Rechenmodell für den Strompreistracker liegt dieser nicht marktabhängige Fixanteil bei 19,83 ct/kWh brutto (Stand: Juni 2026). Er fällt in jeder Viertelstunde an, unabhängig davon, was der Strom an der Börse gerade kostet.
Die Netzentgelte darin sind kein Preis, den ein Lieferant frei setzt. Sie werden reguliert, von der Bundesnetzagentur geprüft und dann an alle Netznutzer weitergegeben. Ihr Stromanbieter reicht sie durch, er verdient daran nichts.
Seit 2023 sind die Kosten der Übertragungsnetze bundesweit vereinheitlicht. Vorher zahlten Haushalte im windreichen Norden deutlich mehr als im Süden, weil dort der Netzausbau stattfindet. Diese regionale Ungleichheit ist auf der Ebene der Übertragungsnetze beseitigt, auf der Ebene der örtlichen Verteilnetze bestehen die Unterschiede weiter.
Warum die Anbindung auf See so teuer ist
Ein Windpark in der Nordsee erzeugt Strom, der an Land gebracht werden muss. Dafür braucht es eine Umspannplattform auf See, ein Seekabel über teils mehr als 100 Kilometer und einen Konverter an Land. Diese Anbindung baut nicht der Windparkbetreiber, sondern der zuständige Übertragungsnetzbetreiber, und die Kosten werden auf alle Netznutzer umgelegt.
Zwei Dinge machen diese Projekte besonders kostenträchtig. Erstens ist Gleichstromtechnik auf See technisch aufwendig und die Zahl der Hersteller weltweit begrenzt, was die Preise treibt. Zweitens trägt die Allgemeinheit auch das Risiko: Wenn eine Anbindung sich verzögert oder eine Plattform ausfällt, bekommt der Windparkbetreiber unter bestimmten Voraussetzungen eine Entschädigung, die ebenfalls über die Umlage finanziert wird.
Das ist die unbequeme Seite einer politisch gewollten Entwicklung. Der Ausbau auf See liefert Strom in Mengen und zu Zeiten, die an Land kaum erreichbar sind, gerade im Winter, wenn Photovoltaik ausfällt. Die Kosten dieser Absicherung stehen aber nicht in der Windstromrechnung, sondern im Netzentgelt aller Haushalte.
Was im Oktober bekannt wird und was Sie tun können
Der Termin ist jedes Jahr derselbe: Anfang Oktober nennen 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW die vorläufigen Netzentgelte für das Folgejahr. Endgültig werden sie erst später, aber die Größenordnung steht damit fest, und die Lieferanten kalkulieren ihre Tarife für das kommende Jahr darauf.
Für Haushalte heißt das praktisch: Die Preisankündigungen für 2027 folgen typischerweise in den Wochen danach. Wer eine Erhöhung erhält, hat ein Sonderkündigungsrecht, und zwar unabhängig davon, ob die Erhöhung auf Netzentgelten oder auf der Beschaffung beruht.
Am Netzentgelt selbst lässt sich nichts aushandeln. Beeinflussbar sind zwei andere Hebel: der Lieferantenwechsel, der auf den Beschaffungsanteil wirkt, und bei steuerbaren Verbrauchseinrichtungen wie Wärmepumpe oder Wallbox die reduzierten Netzentgelte nach § 14a EnWG. Die Zusammensetzung Ihres Preises im Detail zeigt unsere Seite zur Strompreiszusammensetzung.
Quellen und Stand
Die Netzentgelte der Übertragungsnetzbetreiber werden auf netztransparenz.de veröffentlicht, die Regulierung verantwortet die Bundesnetzagentur. Der Bundeszuschuss von 6,5 Milliarden Euro für 2026 ist Teil der Entlastung bei den Übertragungsnetzkosten. Stand: September 2026.