So funktioniert der Lockpreis

Das Muster ist einfach: Beworben wird ein niedriger fester Arbeitspreis, etwa 19 ct/kWh. Die Garantie gilt nur für den ersten Vertragsmonat – danach koppelt der Tarif an die Strombörse. Der beworbene Preis ist aber die einzige Zahl, die vor dem Abschluss verglichen wird, und Vergleichsportale rechnen den Lockmonat in ihre Sortierung ein. Die Verbraucherzentrale hält Portalpreise für dynamische Tarife deshalb für wenig aussagekräftig.

Ein Rechenbeispiel: Ein Haushalt mit 4.000 kWh Jahresverbrauch wechselt zum 1. Oktober. Der Lockmonat kostet bei rund 330 kWh etwa 63 €. Im November endet die Garantie – bei einer Dunkelflaute und Verbrauch vor allem morgens und abends steigt der realisierte Endpreis schnell auf 40 bis 45 ct/kWh, die Monatsrechnung auf 150 bis 170 € (Modellrechnung mit illustrativen Werten, Stand: Juli 2026). Besonders ungünstig: Wechselaktionen mit Lockmonat laufen häufig im Herbst, direkt vor den teuersten Börsenmonaten November bis Februar.

Nur ein Teil des Preises kommt von der Börse

Was in der Werbung ebenfalls selten vorkommt: Nur rund 25 bis 40 % des Endpreises sind börsenabhängig. Netzentgelte, Steuern und Umlagen von etwa 15 bis 20 ct/kWh fallen in jeder Viertelstunde an – auch bei negativen Börsenpreisen. „Gratis-Strom am Sonntagmittag“ gibt es deshalb praktisch nie: Bei einem Börsenpreis von −2 ct/kWh zahlen Sie mit festen Bestandteilen und Anbieteraufschlag immer noch rund 14,5 ct/kWh.

Nach oben ist die Skala dagegen offen. Am 6. November 2024 stieg der Day-Ahead-Preis während einer Dunkelflaute zeitweise auf über 80 ct/kWh (Quelle: SMARD) – Kunden dynamischer Tarife zahlten in diesen Stunden inklusive fester Bestandteile mehr als 1 € pro Kilowattstunde. Nur wenige Anbieter begrenzen den Arbeitspreis mit einem vertraglichen Preisdeckel.

Woran Sie ein faires Angebot erkennen

Dynamische Tarife sind kein Betrug – für flexible Haushalte mit E-Auto, Wärmepumpe oder Speicher bleiben sie ein sinnvolles Produkt. Vor der Unterschrift lohnen vier Fragen an das Preisblatt:

  1. Preisgarantie: Gilt der beworbene Arbeitspreis dauerhaft oder nur im ersten Monat?
  2. Kosten: Wie hoch sind Aufschlag pro Kilowattstunde und Grundgebühr – getrennt ausgewiesen?
  3. Laufzeit: Ist der Tarif monatlich kündbar? Mindestlaufzeiten über einen Monat und Boni mit Zwölf-Monats-Bindung verhindern den Ausstieg nach dem Lockmonat.
  4. Flexibilität: Können Sie Verbrauch tatsächlich in günstige Stunden verschieben? Ohne diese Möglichkeit bleibt ein Festpreistarif meist die bessere Wahl.

Alle sechs Preisfallen im Detail – mit Modellrechnungen zu Pseudo-Dynamik, versteckten Gebühren und Vertragsklauseln sowie einer Checkliste – finden Sie in unserem ausführlichen Ratgeber zu den Preisfallen bei dynamischen Stromtarifen.