In Großbritannien besitzt kaum ein Haushalt eine Klimaanlage, und trotzdem kommen die Briten durch heiße Sommertage. Ihr Rezept ist eine Methode, die vielen zunächst widersinnig erscheint: Fenster und Rollläden tagsüber konsequent geschlossen halten und erst abends lüften. Dahinter steckt keine Marotte, sondern Physik, und für die Stromrechnung ist sie unschlagbar günstig.
Die englische Methode: tagsüber schließen, nachts lüften
Die Regel ist einfach: Was draußen wärmer ist als drinnen, soll draußen bleiben. Solange die Außenluft heißer ist als die Zimmerluft, bleiben die sonnenzugewandten Fenster zu und die Rollläden oder Vorhänge unten. Erst wenn die Temperatur abends unter die Innentemperatur fällt, wird gelüftet. Britische Stellen wie das Britische Rote Kreuz empfehlen genau dieses Vorgehen, und das deutsche Umweltbundesamt rät zum selben Muster.
Das Wichtigste in Kürze
- sonnenzugewandte Fenster in den heißesten Stunden, etwa 11 bis 16 Uhr, geschlossen halten;
- Rollläden und Vorhänge herunterlassen, bevor die Sonne den Raum aufheizt, idealerweise vor 10 Uhr;
- erst lüften, wenn die Außenluft kühler ist als die Zimmerluft, meist spät abends und nachts;
- morgens wieder schließen, um die kühle Luft im Raum einzuschließen.
Warum das funktioniert: die Physik dahinter
Die Methode kostet nichts und braucht kein Gerät. Sie nutzt nur drei physikalische Effekte, die in jeder Wohnung wirken.
Glas ist ein Wärmefänger
Fensterglas lässt Sonnenstrahlung herein, die sich im Raum in Wärme umwandelt. Selbst moderne Doppelverglasung hält einen erheblichen Teil dieser Strahlungswärme nicht ab, und wenn sich der Raum warm anfühlt, ist die Wärme längst drin. Deshalb wirkt eine Verschattung von außen (Rollladen, Fensterladen, Markise) deutlich besser als ein Vorhang innen: Sie fängt die Strahlung ab, bevor sie durch die Scheibe kommt.
Nachts lüften, morgens einschließen
Mauern und Möbel speichern über den Tag Wärme. Nachts, wenn die Außenluft abkühlt, lässt sich diese gespeicherte Wärme mit Frischluft hinausspülen. Wer morgens rechtzeitig wieder schließt, hält die kühle Luft über den Tag im Raum. Wie Sie damit in heißen Nächten spürbar besser schlafen, lesen Sie im Beitrag zu den Tropennächten.
Querlüften nutzt den Kamineffekt
Am schnellsten tauscht sich die Luft aus, wenn gegenüberliegende Fenster gleichzeitig offen stehen, also beim Querlüften. In mehrstöckigen Wohnungen verstärkt der Kamineffekt den Zug: Warme Luft steigt nach oben, deshalb unten und oben zugleich öffnen, damit sie entweichen kann. Wie zwei Ventilatoren diesen Durchzug zusätzlich beschleunigen, zeigen wir im Beitrag zum Querlüften mit zwei Ventilatoren.
Der häufigste Fehler: tagsüber die Fenster aufreißen
Der Reflex bei Hitze ist, die Fenster weit zu öffnen. Genau das ist bei über 30 °C draußen kontraproduktiv: Solange es draußen heißer ist als drinnen, holt jedes offene Fenster zusätzliche Wärme herein, statt zu kühlen. Die englische Methode dreht diesen Reflex um, tagsüber dicht und nachts offen. Wer keine Außenverschattung hat, hängt helle Tücher außen vor das Fenster oder nutzt zumindest innen liegende, helle Vorhänge, die einen Teil der Strahlung reflektieren.
Ein Ventilator kühlt den Körper, nicht den Raum
Bewegte Luft senkt die gefühlte Temperatur nach Angaben des Umweltbundesamts um 2 bis 3 °C, ohne den Raum selbst abzukühlen. Ein Ventilator ergänzt die englische Methode also sinnvoll, ersetzt sie aber nicht. Welche Kniffe ein noch heißeres Land beisteuert, lesen Sie in unseren Hitze-Tipps aus Indien.
Was das beim Strom spart
Für die Stromrechnung ist die englische Methode das Optimum, weil sie nichts kostet. Der einzige Stromverbraucher, der sinnvoll dazukommt, ist ein Ventilator, mit rund 50 Watt ein Leichtgewicht. Ein mobiles Klimagerät dagegen kann über eine Sommersaison bis zu rund 246 € kosten (Stand: Juli 2026, gerechnet mit 41 ct/kWh nach Daten der Bundesnetzagentur). Den direkten Kostenvergleich haben wir in unserer Analyse zur günstigsten Art zu kühlen zusammengetragen, und eine ausführliche Anleitung mit allen Maßnahmen finden Sie im Überblick dazu, wie Sie Ihre Wohnung ohne Klimaanlage kühlen.
Den größten Hebel bei den Stromkosten hat aber der Tarif selbst. Wer in der Grundversorgung steckt, zahlt meist mehr als nötig. Ein Strompreisvergleich zeigt in wenigen Minuten für Ihre Postleitzahl, ob ein anderer Anbieter günstiger ist; mit einem dynamischen Stromtarif lassen sich stromintensive Geräte zudem in die günstigen Nachtstunden legen.
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Häufige Fragen
Sollte man bei Hitze die Fenster geschlossen halten?
Tagsüber ja, solange es draußen wärmer ist als in der Wohnung. Dann bringt ein offenes Fenster nur zusätzliche Wärme herein. Geöffnet wird erst, wenn die Außentemperatur unter die Innentemperatur fällt, meist spät abends und nachts.
Wann lüftet man bei Hitze am besten?
In den kühlsten Stunden, also nachts und früh am Morgen. Am wirksamsten ist Querlüften mit gegenüberliegenden Fenstern. Danach die Fenster und Rollläden wieder schließen, bevor die Sonne den Raum aufheizt.