Die Deutsche Bahn zieht aus den Hitzewellen dieses Sommers eine Konsequenz, die zunächst widersprüchlich klingt: Sie lässt Züge ausfallen, damit der Rest zuverlässiger fährt. Für Ihren Haushalt ist daran vor allem ein Muster interessant, das das Stromsystem in genau denselben Tagen zeigt.
Was die Bahn bei Extrem-Hitze jetzt zulässt
Die DB InfraGO setzt vom 30. Juli bis vorerst 6. August 2026 bundesweit Regelungen des Trassennutzungsvertrags aus, darunter die Stornokosten. Eisenbahnunternehmen und Aufgabenträger des Nahverkehrs dürfen damit einzelne Fahrten aus dem Fahrplan nehmen, ohne dafür zu zahlen. In Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland gilt die Regelung wegen der dortigen Temperaturen bereits seit Mittwoch, dem 29. Juli 2026.
Der Gedanke dahinter ist Reserve. Weniger Züge im Netz bedeuten mehr Spielraum im Betrieb und damit eine höhere Chance, dass die verbliebenen Fahrten zuverlässig verkehren. „Künftig werden wir bei angekündigten Hitzewellen mit Temperaturen über 35 Grad vorausschauender handeln“, sagt Philipp Nagl, der die DB InfraGO leitet, in der Mitteilung vom 27. Juli 2026. Der Deutsche Wetterdienst erwartet für diese Tage in der Südhälfte Maxima zwischen 34 und 38, örtlich um 39 °C (Stand: 31. Juli 2026).
Ob tatsächlich Züge ausfallen, entscheidet allerdings nicht die Bahn, sondern die Verkehrsunternehmen. Und die winken bislang ab. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund hält Angebotskürzungen für fragwürdig, weil Fahrten zur Arbeit oder zum Einkaufen unabhängig vom Wetter bestehen bleiben; Arverio Bayern und die Bayerische Regiobahn haben ebenfalls angekündigt, nicht vorsorglich weniger zu fahren. Das berichtet Focus online.
Das Wichtigste in Kürze
- Die DB InfraGO erlaubt vom 30. Juli bis vorerst 6. August 2026 bundesweit hitzebedingte Zugausfälle ohne Stornokosten;
- Auslöser ist die Prognose von Temperaturen über 35 °C, der DWD erwartet in der Südhälfte 34 bis 38, örtlich um 39 °C (Stand: 31. Juli 2026);
- die Verkehrsunternehmen wollen das Angebot bislang nicht nutzen;
- am Strommarkt kostete die teuerste Stunde des 29. Juli 2026 mit 0,5121 €/kWh das 2,6-Fache der günstigsten Stunde mit 0,1983 €/kWh;
- wer einen dynamischen Tarif hat, kühlt in den Mittagsstunden deutlich günstiger als am Abend.
Warum die Hitze auch das Stromsystem unter Druck setzt
Hitze belastet Schiene und Stromnetz nach ähnlicher Physik: Material dehnt sich, Bauteile kühlen schlechter ab, und gleichzeitig steigt die Nachfrage. Anders als die Bahn dünnt das Stromsystem aber nicht den Fahrplan aus. Es bewirtschaftet die Knappheit über den Preis. Deshalb merken Sie die Hitze nicht am Lichtschalter, sondern an der Uhrzeit.
Zwei Kräfte laufen an Hitzetagen gegeneinander. Mittags drückt die Photovoltaik den Börsenpreis nach unten, weil sehr viel Solarstrom gleichzeitig einspeist. Abends fällt diese Einspeisung weg, während Klimageräte, Ventilatoren und Kühlschränke weiter gegen die aufgeheizten Wohnungen arbeiten. Das Ergebnis ist eine Preiskurve mit einem tiefen Tal am Mittag und einer Spitze am Abend.
| Tag | Günstigste Stunde | Teuerste Stunde | Tagesmittel |
|---|---|---|---|
| 29. Juli 2026 | 0,1983 €/kWh (13 Uhr) | 0,5121 €/kWh (20 Uhr) | 0,3493 €/kWh |
| 30. Juli 2026 | 0,2015 €/kWh (13 Uhr) | 0,4447 €/kWh (21 Uhr) | 0,3427 €/kWh |
| 31. Juli 2026 | 0,2974 €/kWh (13 Uhr) | 0,4311 €/kWh (21 Uhr) | 0,3752 €/kWh |
Die Werte sind Brutto-Arbeitspreise inklusive Netzentgelten, Abgaben und Umsatzsteuer, wie sie einem dynamischen Tarif zugrunde liegen (Stand: 31. Juli 2026). Wie diese Kurve entsteht, erklärt unser Ratgeber zum dynamischen Strompreis; den vollständigen Tagesverlauf finden Sie in der Strompreisübersicht für den 31. Juli 2026.
Was das für Ihren Haushalt bedeutet
Rechnen Sie bei dieser Wetterlage mit der Uhrzeit, nicht mit dem Tag. Ein Zwei-Personen-Haushalt in Mannheim betreibt ein mobiles Monoblock-Klimagerät mit 1,0 kW Leistung fünf Stunden lang und verbraucht dafür 5 kWh. Am 29. Juli 2026 kostete das je nach Uhrzeit sehr unterschiedlich viel.
Zwischen 17 und 22 Uhr lag der Durchschnittspreis bei 0,44 €/kWh, die fünf Stunden kosteten also rund 2,20 €. Dieselben fünf Stunden zwischen 11 und 16 Uhr kosteten bei 0,21 €/kWh rund 1,05 €. Die Differenz beträgt etwa 1,15 € pro Tag und damit knapp 9 € über die acht Tage, für die die Bahn-Regelung vorgesehen ist (Stand: 29. Juli 2026).
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens gilt diese Rechnung nur für Haushalte mit einem dynamischen Tarif. Bei einem Festpreistarif zahlen Sie rund um die Uhr denselben Arbeitspreis; das Verschieben senkt dann die Netzlast, nicht Ihre Rechnung. Zweitens bringt Vorkühlen am Mittag nur etwas, wenn die Wohnung die Kühle hält, also bei geschlossenen Rollläden am Tag und geöffneten Fenstern in der Nacht. Womit Sie dabei am wenigsten Strom einsetzen, zeigt unser Vergleich von Ventilator und Klimaanlage; ein verschmutzter Filter treibt den Verbrauch zusätzlich nach oben.
Was kostet Ihr Haushaltsgerät an Strom?
Details und Rechenannahmen
Wählen Sie ein Gerät, werden Leistung, Stunden und Tage mit typischen Durchschnittswerten vorbelegt, die Sie frei anpassen können. Die Energieeffizienzklasse erhöht den angenommenen Verbrauch gegenüber einem Gerät der Klasse A (Faktor A 1,0 bis G 2,05). Der voreingestellte Strompreis von 37,00 ct/kWh (Stand: 2026-08) entspricht dem aktuellen Neukunden-Durchschnitt und ist editierbar. Der tatsächliche Verbrauch hängt vom Gerät, der Nutzung und Ihrem Tarif ab.
Für die Nächte danach zählt weniger Technik als Routine: In den Tropennächten entscheidet vor allem, wann Sie lüften. Und wer bei diesen Temperaturen arbeiten muss, findet die geltenden Regeln unter Arbeiten bei Hitze.
Ob sich ein dynamischer Tarif für Sie rechnet, hängt davon ab, wie viel Verbrauch Sie tatsächlich in die günstigen Stunden verschieben können. Welche Tarife in Ihrem Postleitzahlgebiet verfügbar sind, zeigt der Strompreisvergleich.
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Häufige Fragen
Fallen wegen der Hitze jetzt Züge aus?
Möglich, aber nicht beschlossen. Die DB InfraGO hat bis vorerst 6. August 2026 lediglich die Grundlage dafür geschaffen, dass Fahrten ohne Stornokosten entfallen können. Entscheiden müssen die Verkehrsunternehmen, und mehrere haben bereits erklärt, das Angebot nicht zu nutzen. Prüfen Sie Ihre Verbindung deshalb kurz vor der Fahrt in der Auskunft Ihres Anbieters.
Wird der Strom bei Hitze knapp?
Eine Knappheit im Sinne von Abschaltungen ist daraus nicht abzuleiten. Das Stromsystem reagiert auf hohe Last zuerst über den Preis, wie die Abendspitzen der letzten Tage zeigen. Angespannter ist die Lage im umgekehrten Fall, bei einer Dunkelflaute im Winter. Kommt es lokal doch zu einem Ausfall, finden Sie die Meldungen und Notrufnummern Ihres Netzbetreibers unter Stromausfall.
Lohnt es sich, die Klimaanlage mittags laufen zu lassen?
Bei einem dynamischen Tarif ja, weil die Mittagsstunden derzeit rund die Hälfte der Abendstunden kosten. Voraussetzung ist, dass die Wohnung die Kühle bis zum Abend hält. Bei einem Festpreistarif entsteht dadurch keine Ersparnis, wohl aber eine Entlastung des Netzes zur kritischen Abendzeit.