Kein Gerät in der Küche zieht im Moment des Einschaltens so viel Strom wie der Backofen. Ein viel geteilter Vergleich setzt ihn deshalb mit 65 gleichzeitig laufenden Kühlschränken gleich. Die Zahl beschreibt allerdings die Anschlussleistung, nicht den Verbrauch, und über ein ganzes Jahr sieht die Rechnung völlig anders aus.

Warum der Vergleich mit 65 Kühlschränken in die Irre führt

Der Vergleich stellt Watt gegen Watt: Ein Backofen hat eine Anschlussleistung von 3.000 bis 4.000 Watt, ein sparsamer Kühlschrank zieht im laufenden Betrieb rund 70 Watt. Daraus ergibt sich ein Faktor von etwa 43 bis 57. Watt sagen jedoch nur, was ein Gerät im Moment höchster Belastung aufnehmen kann. Bezahlt wird nicht Leistung, sondern Energie, also Kilowattstunden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Backdurchgang von einer Stunde bei 180 Grad braucht 1 bis 2 kWh und kostet damit 25 bis 50 Cent (gerechnet mit 25,10 ct/kWh, Stand: Juni 2026);
  • über das Jahr liegt ein Backofen bei rund 39 €, ein Kühlschrank ohne Gefrierfach bei rund 24 €, eine Kühl-Gefrier-Kombination bei rund 42 €;
  • wer auf das Vorheizen verzichtet, spart nach Angaben der Verbraucherzentrale bis zu 20 % Energie;
  • Umluft erlaubt 20 bis 30 Grad niedrigere Temperaturen als Ober- und Unterhitze;
  • eine einzige Pyrolyse-Selbstreinigung kostet bis zu 1,30 €, so viel wie drei bis vier Backdurchgänge.

Der Grund ist die Taktung. Der Backofen zieht seine volle Leistung nur beim Aufheizen; danach schaltet der Thermostat die Heizstäbe immer wieder ab. Als Richtwert bleiben bei 180 bis 200 Grad 1 bis 2 Kilowattstunden pro Betriebsstunde übrig. Der Kühlschrank arbeitet umgekehrt: wenig Leistung, aber rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr.

Rechnet man das durch, schrumpft der Abstand auf ein realistisches Maß. Ein Haushalt, der zweimal pro Woche eine Stunde backt, kommt auf etwa 156 kWh im Jahr, also rund 39 €. Ein Kühlschrank ohne Gefrierfach liegt bei rund 94 kWh, eine Kühl-Gefrier-Kombination bei etwa 168 kWh, das sind rund 24 € beziehungsweise 42 €. Der Ofen bewegt sich damit in der Größenordnung eines einzigen Kühlschranks, nicht von 65.

Was ein Backdurchgang wirklich kostet

Für den Vergleich zwischen zwei Geräten steht auf dem EU-Energielabel der Verbrauch pro genormtem Backvorgang. Ein effizientes Gerät mit 45 bis 65 Litern Garraum bleibt dort unter 0,9 Kilowattstunden. Dieser Wert stammt aus einem festgelegten Testlauf und ist nicht identisch mit einer Stunde Sonntagsbraten, er eignet sich aber gut, um Modelle gegeneinander zu stellen.

VorgangStromverbrauchKosten
Ober- und Unterhitze, eine Stunde bei 180 Grad1 bis 2 kWh25 bis 50 Cent
Umluft, gleiches Gericht 20 bis 30 Grad kälterrund 20 % weniger20 bis 40 Cent
Genormter Backvorgang, effizientes Gerät (Energielabel)unter 0,9 kWhrund 23 Cent
Pyrolyse-SelbstreinigungDauerhitze über 500 Gradbis zu 1,30 €

Gerechnet mit 25,10 ct/kWh, dem Neukunden-Durchschnitt von Energiemarie (Stand: Juni 2026). Die Angaben zum Energielabel und zur Pyrolyse stammen von der Verbraucherzentrale.

Für Ihr eigenes Gerät setzen Sie die Werte vom Typenschild ein. Der Rechner ist mit einem Backofen vorbelegt:

Was kostet Ihr Haushaltsgerät an Strom?

Verbrauch pro Tag  kWh
Kosten pro Tag  €
Kosten pro Monat · Tage  €
Kosten pro Jahr  kWh  €
Details und Rechenannahmen

Wählen Sie ein Gerät, werden Leistung, Stunden und Tage mit typischen Durchschnittswerten vorbelegt, die Sie frei anpassen können. Die Energieeffizienzklasse erhöht den angenommenen Verbrauch gegenüber einem Gerät der Klasse A (Faktor A 1,0 bis G 2,05). Der voreingestellte Strompreis von 37,00 ct/kWh (Stand: 2026-08) entspricht dem aktuellen Neukunden-Durchschnitt und ist editierbar. Der tatsächliche Verbrauch hängt vom Gerät, der Nutzung und Ihrem Tarif ab.

Was zwischen Aufheizen, Takten und Restwärme tatsächlich zusammenkommt, zeigt allerdings nur ein Strommessgerät zwischen Stecker und Steckdose, und bei einem fest angeschlossenen Einbaugerät auch das nicht. Dort bleibt der Blick auf den Gesamtverbrauch im Haushalt.

Drei Handgriffe, die nichts kosten

Die größten Einsparungen liegen nicht im Gerät, sondern in der Gewohnheit. Die Verbraucherzentrale nennt drei Punkte, die zusammen den größten Unterschied machen.

  • Vorheizen weglassen. Das spart bis zu 20 % Energie, bei einem Haushalt mit zwei Backdurchgängen pro Woche also rund 8 € im Jahr. Ausnahmen sind Gerichte, die sofort volle Hitze brauchen: Blätterteig, Biskuit und Soufflé. Tiefkühlpizza und Fertiggerichte gelingen ohne Vorheizen genauso, wenn Sie fünf bis zehn Minuten Garzeit zugeben;
  • Umluft statt Ober- und Unterhitze. Die Temperatur darf dann 20 bis 30 Grad niedriger liegen, und Sie können mehrere Ebenen gleichzeitig belegen. Das senkt den Verbrauch um etwa 20 %;
  • Restwärme nutzen. Bis zu 15 Minuten lang gart ein abgeschalteter Ofen weiter. Wer zehn Minuten vor Ende ausschaltet, verliert nichts am Ergebnis.

Dazu kommt die Tür. Jedes Öffnen lässt Hitze entweichen, danach heizen die Heizstäbe mit voller Leistung nach. Die Verbraucherzentrale rät deshalb, die Backofentür nicht öfter als nötig zu öffnen. Und wenn der Ofen ohnehin heiß ist, lohnt es, mehrere Gerichte hintereinander zu backen. Weitere Ansätze für die ganze Küche sammelt unser Ratgeber zum Stromverbrauch von Herd und Kochfeld.

Die Pyrolyse ist der teuerste Weg zu einem sauberen Ofen

Viele deutsche Einbaubacköfen haben eine Selbstreinigung per Pyrolyse. Dabei heizt das Gerät auf über 500 Grad, um Rückstände zu verbrennen. Nach Angaben der Verbraucherzentrale kostet ein solcher Durchgang bis zu 1,30 € an Strom, also mehr als drei normale Backdurchgänge. Aus energetischer Sicht ist die Funktion nicht empfehlenswert.

Ein sauberer Ofen bleibt trotzdem sinnvoll, denn eingebrannte Fettreste verteilen die Hitze schlechter und verlängern die Garzeiten. Nur ist Handarbeit hier die günstigere Variante. Wer die Pyrolyse nutzen möchte, startet sie am besten direkt nach dem Backen, solange das Gerät noch warm ist.

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Häufige Fragen

Wie viel Strom verbraucht ein Backofen pro Stunde?

Bei 180 bis 200 Grad rechnen Sie mit 1 bis 2 Kilowattstunden pro Betriebsstunde, abhängig von Alter, Garraumgröße und Beheizungsart. Bei 25,10 ct/kWh entspricht das 25 bis 50 Cent. Die Anschlussleistung von 3.000 bis 4.000 Watt wird nur beim Aufheizen abgerufen, danach taktet der Thermostat.

Lohnt sich ein neuer Backofen wegen der Stromkosten?

Allein deswegen selten. Ein neueres Gerät der Effizienzklasse A spart gegenüber einem alten Ofen rund 20 € Stromkosten im Jahr. Bei Anschaffungskosten im dreistelligen Bereich braucht das viele Jahre. Steht ein Austausch aus anderen Gründen an, ist die Effizienzklasse aber ein sinnvolles Kriterium. Die Rechnung im Detail steht in unserem Ratgeber zum Stromverbrauch des Backofens.

Verbraucht der Backofen mehr Strom als der Kühlschrank?

In der Betriebsstunde deutlich mehr, über das Jahr gerechnet liegen beide in derselben Größenordnung. Ein Backofen bei zwei Stunden Nutzung pro Woche kommt auf rund 39 €, eine Kühl-Gefrier-Kombination auf rund 42 €. Der Unterschied: Beim Kühlschrank entscheidet das Gerät, beim Backofen die Gewohnheit.

Herd und Backofen machen in einem Zwei-Personen-Haushalt rund 11 % des Stromverbrauchs aus. Wer beim Rest ansetzen will, findet die größten Posten in unserer Übersicht zum Stromsparen im Haushalt. Und weil jede Kilowattstunde mit dem Arbeitspreis multipliziert wird, lohnt daneben ein Blick auf den Strompreisvergleich.