Strommarkt Deutschland: Die Liberalisierung 1998

Stommarkt Liberalisierung

Die Liberalisierung der Strommärkte in der Europäischen Union vor 20 Jahren hat sich positiv auf die Vielfalt der Anbieter in Deutschland und vielen anderen EU-Ländern ausgewirkt und zu einer nachhaltigeren Stromerzeugung beigetragen. Die Liberalisierung des Strommarktes ermöglicht einen freien Wettbewerb in der Stromerzeugung und im Stromhandel. Nationale oder Regionalmonopole werden abgelöst und der Markt öffnet sich für mehr Akteure. Wie hat sich der Strommarkt Deutschland nach der Liberalisierung entwickelt und was waren die Gründe dafür?


Auswirkungen der Strommarkt Liberalisierung

Der Strommarkt ist in den 20 Jahren seit seiner Liberalisierung im Jahr 1998 gewachsen. Im Prinzip funktionieren sie wie jeder andere Markt: Es herrscht echter Wettbewerb, der eine gute Überwachung und Regulierung erfordert und manchmal auch unerwünschte Auswirkungen hat. Nach dem Beginn der Liberalisierung im Jahr 1998 kam der Wettbewerb jedoch nur langsam in Gang.

So entstand eine Vielzahl von Anbietern, darunter Tochterunternehmen der Großen Vier, EnBW, E.ON, RWE und Vattenfall, aber auch zahlreiche Stadtwerke und ganz neue Akteure. Im Durchschnitt haben die Verbraucher eine Vielzahl an Optionen zur Auswahl, trotzdem sind immer noch rund 31 % der Haushalte in der Grundversorgung, meist mit einem teuren Tarif.

Die Liberalisierung des Strommarktes ist ein Vorgang, durch den freier Wettbewerb in der Stromerzeugung und -handel erzeugt wird. Die Liberalisierung fördert somit eine höhere Anzahl an Energieanbietern.

Obwohl der Markt inzwischen sehr wettbewerbsintensiv ist, halten sich die Auswirkungen auf die Preise in Grenzen: Die Preise sind nicht gesunken, sondern durch erhöhte Abgaben, Zuschläge und Netzentgelte seit 1998 stark angestiegen: von rund 17 Cent auf heute rund 31,89 Cent pro kWh. Der von den Energieversorgern nicht direkt beeinflusste Preis macht inzwischen etwa 80 % des Gesamtpreises aus, und die geringe Marge, die verbleibt, wird nicht überall für eine substanzielle Preisgestaltung genutzt, insbesondere bei der Grundversorgung.

Ein besonderes Merkmal des Strommarktes: Die Haushalte werden automatisch zu Kunden, und einige von ihnen sind an die Grundversorgung "gebunden", z. B. durch Schufa-Guthaben.

Warum wurde 1998 der Strommarkt liberalisiert?

Am 29. April 1998 trat das "Gesetz zur Neuregelung des Energiewirtschaftsrechts" (EnWG 1998) in Kraft und ermöglichte das Entstehen von Wettbewerb auf dem deutschen Energiemarkt. Ausschlaggebend für die Entstehung dieses Gesetzes war die Entscheidung der EU, den europäischen Energiebinnenmarkt zu harmonisieren. Der erste Schritt war die Beseitigung der bestehenden Monopole in den Mitgliedsstaaten.

Die wichtigste Reform des deutschen EnWG war das Unbundling. Stromversorgungsunternehmen mussten getrennte Konten für die Erzeugung, Übertragung und Verteilung von Energie führen. Ziel war es, die regionalen Monopole aufzubrechen und Wettbewerb bei der Erzeugung und Verteilung von Strom zu schaffen.

Im Jahr 2005 wurde das "Zweite Gesetz zur Neuordnung des Energierechts", besiegelt. In diesem Gesetz, wurde der regulierte Netzzugang eingeführt und die Bundesnetzagentur als Regulierungsbehörde geschaffen. Bisher wurde der Netzzugang von etablierten Energieunternehmen kontrolliert, die den Markteintritt neuer Wettbewerber durch überhöhte Netzzugangsentgelte erheblich zu erschwerten.

Die erste Energiemarke, die auf den frisch liberalisierten Strommarkt kam, war Yello Strom. Obwohl der Anbieter keinen eigenen Netze besitzt, noch selbst ihren Strom erzeugt. Der Anbieter Yello Strom wurde von EnBW gegründet.

Der Strommarkt heute: Preisbildung an der Börse

Der Wettbewerb in der Erzeugung ist eine wichtige Voraussetzung für attraktive Preise für die Verbraucher. Seit August 2000 wird Strom an der Strombörse EEX gehandelt. Die Börse fungiert als Transparenzinstrument für den Strom- und Gasmarkt, und die dort erzielten Preise dienen auch als Referenz für außerhalb der Börse abgeschlossene Verträge.

Um sicherzustellen, dass kein Unternehmen die Börsenpreise zu seinen Gunsten beeinflussen kann, wird die Preisbildung überwacht. In Deutschland ist das Bundeskartellamt für Preiserhöhungen zuständig, die aus einem Missbrauch von Marktmacht resultieren. Die Bundesnetzagentur sorgt dafür, dass es keine Marktmanipulation gibt.

Während die "großen Vier" in der Erzeugung, nämlich E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW, laut Bundeskartellamt zwischen 2007 und 2008 noch eine marktbeherrschende Stellung innehatten - die Marktanteile dieser Unternehmen lagen zusammen bei über 80 % - hat sich die Situation in den letzten Jahren zunehmend entspannt. Die "großen Vier" verlieren immer mehr Marktanteile. Darüber hinaus wird der bevorstehende Atomausstieg zu weiteren Veränderungen in der Erzeugungsstruktur führen.

Im Jahr 2020 waren rund 2.250 Unternehmen auf dem deutschen Energiemarkt aktiv auf lokaler und regionaler Ebene.

Strommarkt Liberalisierung: Beachtliche Anbietervielfalt

Nachdem der Netzzugang 2005 reguliert wurde, begann ein echter Wettbewerb auf dem Strommarkt zu entstehen. Es hat sich eine recht breite Palette von Energieanbietern etabliert. Heute können die Verbraucher aus durchschnittlich 1300 Anbietern wählen (die genaue Zahl hängt vom Wohnort ab). Der Trend, die Anzahl der Lieferanten zu erhöhen, hält bis heute unvermindert an.

Allerdings können nicht alle Verbraucher aus einer Reihe von lokal und theoretisch verfügbaren Anbietern frei wählen. Der Schufa-Eintrag kann es zum Beispiel schwierig oder unmöglich machen, den Lieferanten zu wechseln. In einigen Fällen sind diese Kunden an teure Grundversorgungstarife "gebunden".

Wie beeinflusst die Liberalisierung des Strommarktes die Strompreise?

Trotz der zunehmenden Anbietervielfalt und des funktionierenden Wettbewerbs ist es auf dem Strommarkt im Gegensatz zu den Telekommunikations- und anderen Märkten, die etwa zur gleichen Zeit liberalisiert wurden, nicht zu einem dauerhaften Preisverfall gekommen. Im Gegenteil: Die Preise sind deutlich gestiegen. Für diesen Effekt gibt es zwei Hauptgründe:

  1. Steuern, Abgaben und Gebühren als Anteil des Strompreises sind für Haushalte seit 1998 um etwa 300 % gestiegen.
  2. In diesen Ländern macht die induzierte Preiskomponente inzwischen 55 % der Stromrechnung der Verbraucher aus. Ein weiteres Viertel ist der regulierte Netzpreis. Änderungen in den Preiskomponenten, die Unternehmen direkt beeinflussen können, haben daher relativ geringe Auswirkungen auf die Gesamtpreise.

Beschaffungspreissenkungen werden oft nicht weitergegeben, insbesondere bei den Grundversorgungstarifen. Dies wurde durch eine Langzeitanalyse der Strompreise für die wichtigsten Versorgungstarife nachgewiesen. Diese Studie berichtet die Preisentwicklung der Grundversorgungstarife für 106 Hauptversorger für den Zeitraum Dezember 2010 bis Juni 2014. Werden Zuschläge, Abgaben, Steuern und Netzentgelte vom Strompreis abgezogen, verbleibt die Preiskomponente, die die Kosten für den Kauf und Verkauf von Strom und die Marge umfasst.

Die Ergebnisse zeigen, dass die von den Unternehmen beeinflussbaren Preisbestandteile im Branchendurchschnitt zwar weitgehend unverändert geblieben sind, die darin enthaltenen Kosten für den Stromeinkauf jedoch branchenweit um rund ein Drittel gesunken sind.

Strompreis Deutschland

Kunden in Grundversorgung profitieren nicht von der Strommarkt Liberalisierung

Die Entwicklung der Preiskomponente, die durch den Energielieferanten beeinflusst werden kann, zeigt deutliche Unterschiede zwischen Grundversorgungen und anderen Vertragsarten. Während 2008 die Preisdifferenz zwischen dem Grundversorgungsvertrag und dem spezifischen Vertrag mit dem alternativen Anbieter noch deutlich unter einem Cent pro kWh lag, ist sie seit 2012 deutlich gestiegen.

Für einen Durchschnittshaushalt mit durchschnittlichem Verbrauch bedeutet dies, dass er für die Grundversorgung rund 100 € pro Jahr mehr bezahlt als nach dem Wechsel. Bisher haben nur 29 % aller Haushalte einen anderen Anbieter als den Grundversorger genutzt und 31 % aller Haushalte haben den Grundversorger genutzt. Der höchste Anteil, 41 %, hat einen speziellen Vertrag mit einem lokalen Hauptlieferanten.

  • Bei welchen Anbieter beziehen die Haushalte ihren Strom?
  • 29 % bei einem alternativen Anbieter
  • 31 % bei dem Grundversorger
  • 41 % bei den lokalen Stadtwerken

Schauen wir uns die Daten seit der Liberalisierung bis April 2020 an, so haben bis zu 47 % aller deutschen Haushalte mindestens einmal ihren Stromanbieter gewechselt und über 37 % ihren Gasanbieter. Dank der Liberalisierung des Strommarktes haben sich nicht nur immer mehr Energieanbieter in unseren Alltag gesellt, sondern auch Vergleichsportale im Internet sind aus unserem Leben gar nicht mehr wegzudenken. Alles zu den Tricks der Portale finden Sie in unserem Artikel:

Tricks der Vergleichsportale

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