Netzentgelte im Erdgaspreis: Zusammensetzung und Entwicklung

Der Erdgaspreis für ein deutsches Einfamilienhaus ist 2020 mit 6.00 ct/kWh rund 2.8% tiefer als im Vorjahr. Dabei fallen rund 27 Prozent auf die regulierten Netzentgelte zurück. Doch was sind Netzentgelte eigentlich und wer muss sie bezahlen? In diesem Artikel lernen Sie nicht nur über die Zusammensetzung und Entwicklung des Erdgaspreises, sondern erhalten auch nützliche Informationen über die Netzentgelte und die weiteren Bestandteile des Erdgaspreises.


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Erdgaspreis: Wie setzt er sich zusammen? 

Der Erdgaspreis setzt sich aus den drei folgenden Bestandteilen zusammen:

  1. Beschaffungs- und Vertriebskosten
  2. Netzentgelte
  3. Steuern und Abgaben

Laut Angaben der BDEW-Gaspreisanalyse Januar 2020 macht der grösste Anteil dabei mit 47% die Beschaffung und der Vertrieb aus. An zweiter Stelle liegen mit 27% die regulierten Netzentgelte (inklusive Messung und Messstellenbetrieb) und als Letztes die Steuern und Abgaben mit 26%. Die Angaben gelten für die durchschnittliche Zusammensetzung des Gaspreises 2020 für Einfamilienhäuser in Deutschland.

Beschaffungs- und Vertriebskosten

Die Beschaffungs- und Vertriebskosten sind die Kosten, die Ihr Energieversorger bezahlen muss, um Ihren Strom zu kaufen beziehungsweise zu produzieren. Der finale Preis ergibt sich dabei aus einem Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage und wird von den Großhandelspreisen an den Strombörsen beeinflusst. Gemäß BDEW sind die Beschaffungs- und Vertriebskosten für Einfamilienhäuser deutlich um 9,1% gesunken und liegen derzeit bei 2,86 ct/kWh.

Netzentgelte

Netzentgelte werden durch die Bestimmungen in § 20 EnWG und der Strom- beziehungsweise Gasnetzentgeltverordnung (StromNEV, GasNEV) geregelt. Es handelt sich um Gebühren, mit welchen bestehende Gasleitungen gewartet und neue Leitungen gebaut werden, um einen dezentralisierten Netzausbau zu gewährleisten. Zudem beinhalten die Netzentgelte ein Messentgelt für die Nutzung und die Wartung der gemieteten Gaszähler der Verbraucher.

Im Vergleich zu den Beschaffungs- und Vertriebskosten sind die Netzentgelte für Haushaltskunden im letzten Jahr von 1,55 ct/kWh um 3.2% auf 1,60 ct/kWh angestiegen.

Wie entstehen Netzentgelte? 

Wie entstehen Netzentgelte?

Da es aus Kostengründen keinen Sinn machen würde, ein zweites Gasleitungsnetz in der jeweiligen Region zu verlegen, ist der Netzbetreiber ein natürlicher Monoplist. Damit er diese Monopolstellung nicht ausnutzen kann und damit dritte Energieanbieter das Netz möglichst kostengünstig nutzen können, legt die jeweilige Regulierungsbehörde eine sogenannte Erlösobergrenze fest.

Je nachdem, wie diese Erlösobergrenze aussieht, bildet der Netzbetreiber sein Netzentgelt. Das Netzentgelt kann demnach je nach Verteilnetzbetreiber zwar unterschiedlich hoch ausfallen, die Summe des Netzentgeltes darf jedoch die vorgegebene Erlösobergrenze nicht überschreiten. Das erhaltene Netzentgelt wird dann verursachungsgerecht auf alle betriebenen Netze und Netzfunktionen des Netzbetreibers umgelegt.

Keine Angst vor einem Anbieterwechsel!Wenn Sie zu einem anderen Gasanbieter wechseln, bleibt Ihr Netzbetreiber der gleiche. Das bedeutet für Sie auch, dass Ihr Gaszähler nicht ausgewechselt wird. Zudem ist Ihr lokaler Netzbetreiber nach wie vor für die Versorgungssicherheit zuständig.

Wer zahlt Netzentgelte?

Die Zahlung der Netzentgelte ist in Deutschland so geregelt, dass Haushaltskunden mit dem Hauptanteil der Kosten belastet werden. Da liegt daran, da sich die Haushaltskunden im Niederspannungsnetz befinden und somit die Anteile aller übergeordneten Netze bezahlen. Gewerbe- und grössere Industriekunden befinden sich im Mittel- oder Hochspannungsnetz, weshalb sie nur Entgelte für die eigene Netzebene oder die Netzebene darüber bezahlen. Besonders große Industriekunden köennen sich sogar komplett von der Netzentgeltzahlung befreien.

Als Haushaltskunde ist Ihr Gas- oder Stromlieferant der Netznutzer, der für die Erhebung der Netzentgelte verantwortlich ist. Das heisst, er stellt die Netzentgelte bei Ihnen in Rechnung und leitet sie dann direkt an den Netzbetreiber weiter.

Wie hoch sind die Netzentgelte? 

Wie hoch sind Netzentgelte?

Die Höhe des Netzentgelts wird separat in der Rechnung des Energielieferanten ausgewiesen. Je nach Region lassen sich Unterschiede festellen. So fallen in Deutschland zum Beispiel Netzentgelte in im ländlichen Raum höher aus als in den Städten. Generell haben Unterschiede in Netzentgelten verschiedene Gründe:

  1. Auslastung der Netze: Eine zu hohe oder zu tiefe Auslastung führt zu höheren Netzentgelten
  2. Zubau Erneuerbarer Energien: Ansteigende Stromerzeugung vergrössert die Ausbau- und Wartungskosten
  3. Alter der Netze: Neue Netze haben eine geringere Wartungskosten als alte

Die Netzentgelte bestehen aus dem monatlichen Grundpreis und aus dem Arbeitspreis in ct/kWh. In der ausgewiesenen Rechnung sind ebenfalls die Steuern und Abgaben für die Gemeinden und Städte enthalten. Welche Posten Ihnen genau in Rechnung gestellt und für welche Zwecke die Einnahmen verwendet werden, erfahren Sie im Kapitel Steuern und Abgaben.

Die Höhe der Netzentgelte für Haushaltskunden sind seit 2008 von 1,44 Cent pro kWh auf aktuell 1,6 Cent pro kWh nur gering gestiegen. Gemäß einer Studie des Frauenhofer Instituts für System und Innovationsforschung hat die Entwicklung der Netzentgelte vor allem mit dem langsam verlaufenden Netzausbau zu tun. Eine Jahresübersicht von 2008 - 2020 finden Sie im Kapitel Erdgaspreis Entwicklung.

Wer ist Ihr Netzbetreiber? Für jedes Postleitzahlgebiet gibt es nur einen Gas- beziehungsweise Stromnetzbetreiber. Welches Ihr Netzbetreiber ist, weiss Ihr Energielieferant. Sie können den Namen oder die Codenummer aber auch auf Ihrer Energierechnung finden oder auf der Plakette Ihres Gaszählers ablesen.

Steuern und Abgaben 

Steuern und Abgaben

Die Steuern und Abgaben bestehen aus zwei verschiedenen Steuerstätzen und einer Konzessionsabgabe: Die Mehrwertsteuer, die Gassteuer und die Konzessionsabgabe. Anteilsmässig macht die Mehrwertsteuer, die rechtlich gesprochen auch als Umsatzsteuer bezeichnet wird, 2020 einen Steuersatz von 19% des Gesamtgasreises aus. Anteilsmässig folgt als Zweites die Gassteuer mit 9.17% und als Letztes die Konzessionsabgabe mit 0.5%.

Die Steuern und Abgaben betragen 2020 in einem Einfamilienhaus mit Verbrauch von 20.000 kWh insgesamt 1,54 ct/kWh und sind somit im Vergleich zum Vorjahr gesunken (2019:1,56 ct/kWh). Die Steuern und Abgaben werden für verschiedene Zwecke an den Staat weitergeleitet.

Erdgaspreis Entwicklung

Der durchschnittliche Erdgaspreis für Haushalte in Einfamilienhäusern mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh ist zum Jahresbeginn 2020 gegenüber dem Vorjahr um 2,8 Prozent gesunken und liegt bei 6,00 ct/kWh (2019: 6,17 ct/kWh). Im Laufe der Zeit hat sich der Erdgaspreis sogar noch mehr gesenkt: 2008 entsprach der Erdgaspreis nämlich noch ganze 7.27 ct/kWh.

Die Erdgaspreis Entwicklung seit dem Jahre 2008 finden Sie im Liniendiagramm anbei. Das Liniendiagramm orientiert sich an den Angaben der BDEW Gaspreisanalyse Januar 2020 und enthält ebenfalls die Entwicklungen der einzelnen Erdgaspreis-Bestandteile:

Es stellt sich die Frage: Wann steigt der Erdgaspreis und warum fällt er? Falls Sie Antworten suchen oder generell mehr über die Gaspreisentwicklung in Deutschland lernen möchten, steht Ihnen auf unserer Seite noch ein Artikel zur Gaspreisentwicklung und Prognose 2020 zur Verfügung, wie auch einer über den Gaspreis in Deutschland.

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